Reflexion eigener Motive

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Daran anschließend eine kurze Reflektion eigener Motive:

Die Berichte von den Zuständen entlang der Balkanroute haben uns aufgewühlt. So viel sinnloses und vermeidbares Leid, so viele dumme politische Entscheidungen, die uns wütend machen. In den Vorbereitungstreffen haben wir viel über den Impact unserer geplanten Reise geredet, weil es uns wichtig war, ohne politische Illusionen hierher zu fahren. Wir wollen keine Bilder reproduzieren von fotogenen Weißen, die als „nicht-weiß“ konstruierten Personen in Notsituationen heroisch humanitäre Hilfe leisten. Wir wollen keinen linken Katastrophentourismus betreiben. Wir wollen nicht ewig viel Sprit verfahren und CO² in die Luft pusten. Und dennoch ist all das genau das, was wir tun.

Es gab viele Calls for Help von Volunteers, die bereits vor Ort waren, auf alternativen und selbstorganisierten Plattformen wie indymedia.org. Freiwillige mit Anspruch an autonome Organisierung, die um mehr Humanpower baten. Aber ist nicht hier vor der eigenen Haustür genug zu tun, um die schrecklichen Zustände durch den politischen Kampf für ein Bleiberecht für alle zu verbessern? Wo hören humanitäre Katastrophen auf, vor der eigenen Haustür zu sein? Wäre unser gesammeltes Geld woanders als bei uns effizienter angelegt, um die Menschen auf der Flucht zu unterstützen? Wir haben keine Möglichkeit, herauszufinden, wie sinnvoll die ganze Aktion gewesen sein wird. Uns bleibt erstmal nur die ehrliche Antwort, warum wir uns zu dieser Reise entschieden haben: Wir sind losgefahren, um gegen unsere eigene Hilflosigkeit anzukämpfen.

Wir wollen keine Festung Europa, wir wollen keinen aufkeimenden Nationalismus überall, wollen keine Grenzen, die privilegierte Leute schützen und andere töten, wollen keinen salonfähigen Rassismus, wollen keine Asylrechtsverschärfung, wollen keine sich abschottende EU ohne jede Solidarität, wollen keine staatliche Repression gegen selbstorganisierte Hilfe. Wir sind nur nicht cool genug, dass alles von zu Hause aus abzuschaffen. Deshalb bleibt uns grade nur diese Aktion, Öffentlichkeitsarbeit wie dieser Blog und die Utopie: Viva la Anarchia!