Verbleib der Sachspenden

This post is also available in/Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

Wo sind denn all die Spenden gelandet, die im Vorfeld der Aktion gesammelt worden waren?

Our donation truck in Sid

Wie Ihr mitbekommen habt, konnten wir den Transport der vielen Sachspenden, die wir erhalten haben, nicht wie geplant bis Preševo führen. Die Hintergründe werden wir in einem separaten Blogbeitrag erläutern. Hier wollen wir erklären, wie wir mit den Sachspenden verfahren sind, die nicht in Serbien bleiben durften. Wir haben die Entscheidung im Wesentlichen von zwei Faktoren abhängig gemacht:

  1. Wie groß ist der Bedarf am betreffenden Ort?
  2. Erfolgt die Verteilung durch große Organisationen oder unabhängige Freiwillige?

Weshalb uns der erste Faktor wichtig ist, sollte auf der Hand liegen. Aber wieso die zweite Frage?

Uns ist die Selbstorganisation zu Regelung der eigenen Angelegenheiten ein wichtiges Gut. Alle Menschen und Gruppen sollten selbst bestimmen können, welche Aufgaben sie in freiem Zusammenschluss mit anderen auf welche Weise wahrnehmen möchten. Wir sind davon überzeugt, dass so die Ergebnisse der Arbeit am nächsten an den Bedürfnissen der Beteiligten orientiert sind. In dieser Überzeugung hat uns auch unsere derzeitige Aktion weiter bestärkt. Die staatlichen Akteur*innen und großen Organisationen folgen oft in ihrem Handeln Maßstäben, die nicht die bestmögliche Unterstützung für flüchtende Menschen hervorbringen. Wir wollen insbesondere die Arbeit der großen Hilfsorganisationen nicht diskreditieren; ihr hoher Organisationsgrad beschränkt jedoch ihre Aktionsoffenheit und Flexibilität. Um die Selbstorganisation von Flüchtenden und Freiwilligen zu unterstützen, war es uns also ein Anliegen, unabhängige Strukturen zu finden, die die Verteilung der bei uns gesammelten Spenden übernehmen.

In Dobova sind wir glücklicherweise Micha (Name geändert) aus Berlin begegnet, der sich in den kommenden Tagen darum kümmern wird, dass die Menschen, die oft so lange am Bahnhof warten müssen, mit den Spenden versorgt werden. Er hat mit einigen Zelten der Gruppe, die wir hier getroffen haben, eine Station für Kleiderspenden aufgebaut. Die Zelte stehen neben Pavillons, von denen aus zwei Helferinnen der ungarischen Caritas seit längerem schon Lunchpakete und Hygieneartikel an die Flüchtenden herausgeben. Wir haben in unseren Tagen hier viel mit Micha zusammengearbeitet und ihn als einen Menschen erlebt, der den Bedürfnissen der Flüchtenden mit großer Aufmerksamkeit begegnet. In der Nacht, als die Weiterfahrt von Dobova nach Spielfeld unterbrochen war, haben wir gemeinsam viele der Spenden verteilt, die wir aus Preševo zurückbringen mussten.

Was genau ist nun wo genau gelandet?

  • Kretzschau: dünne Sweater, Hemden und andere nicht wintertaugliche Sachen
  • Šid: auf Zuruf von Flüchtenden werden vereinzelt Schuhe, Jacken, Hosen, etc. verteilt
  • Preševo: fast alle Decken, alle Schuhe, einige Schlafsäcke, Jacken, Kindersachen, Rettungsdecken, Erste-Hilfe-Bedarf, Hygieneartikel
  • Dobova: Mützen, Handschuhe, Schals, alle Schlafsäcke, Pullover, Hosen, Hygieneartikel

Wir bedanken uns bei allen Spender*innen!

Happy end - our truck is finally empty
Happy end – our truck is finally empty