Thessaloniki 31.12.15

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Thessaloniki 31.12.15

Viele Leute, die an der Grenze zu oder in Mazedonien gewaltsam an der Weiterreise gehindert werden, werden mit Bussen zurück nach Athen deportiert. Sie müssen das 20€ teure Ticket selbst bezahlen. Privatunternehmen verdienen sich dumm an Menschen in Notsituationen. Die meisten Personen können oder wollen nicht zurück, sie hängen in Griechenland fest, im Hin- und Her zwischen den Versuchen, weiter nach Nordwesten zu kommen und den Rückschlägen. An vielen Orten brauchen Menschen medizinische Versorgung, Unterkünfte und Schlafplätze. Nicht überall finden sie welche.

Es gibt mehrere Häuser in Griechenland, die in Solidarität mit Menschen auf der Flucht besetzt worden sind und jetzt gemeinsam bewohnt werden, von Leuten mit und ohne Pass, verschiedener Nationalität und unterschiedlicher Lebenssituation.

Orfanotrofeio

The courtyard of Orfanotrofeio squat in solidarity with refugees in Thessaloniki
The courtyard of Orfanotrofeio squat in solidarity with refugees in Thessaloniki Foto: David Kaupp

In Thessaloniki besuchen wir den Squat Orfanotofeio. Das alte Waisenhaus war schon einmal besetzt, wurde geräumt und vor etwa einem Monat wieder eröffnet.

Wir steigen durch den Toreingang in den Innenhof. In einer Ecke brennt ein Feuer in einem alten Einkaufswagen, darum sitzen Menschen. Sie winken uns zu sich heran, wir setzen uns dazu. Wir unterhalten uns mit Handzeichen, Satzfetzen, Lachen. Ein Junge zeigt uns mit den Fingern an, er sei 17 Jahre alt, und erzählt seine Geschichte. Er zeigt auf sich, läuft mit den Fingerspitzen durch die Luft  und sagt „Makedonia“, sagt „Police“ und macht Trittbewegungen mit dem Fuß. Sagt „No Back Iraq“, legt die eine Hand um den Hals und zieht mit der anderen eine unsichtbare Schlinge zu.

Wir rufen einen Freund zu Hause an, dessen Muttersprache Arabisch ist, der am Telefon mit dem Jungen spricht und uns danach auf Englisch weitergibt, was er uns erzählen wollte: Er hat schon mehrmals versucht, durch Mazedonien zu kommen, es hat nie geklappt. Mehrfach hat er es über die Grenze geschafft, doch jedes Mal hat ihn dann die mazedonische Polizei aufgegriffen, geschlagen und nach Griechenland zurück gebracht. Wo er herkommt, gehört er zu einer religiösen Minderheit, wird verfolgt, kann nicht zurückkehren. Er will es wieder versuchen, durch Mazedonien zu kommen. Solange, bis es klappt.

Der Junge zeigt uns gut gelaunt, was er alles an Kampfsportarten drauf hat. Bringt uns Bewegungen bei; Karate, Taekwando, Judo, Kickboxen.

Eine alte Frau* kommt in den Innenhof und gibt eine Tüte mit Lebensmitteln ab. Uns wird erzählt, es gäbe ein hohes Maß an praktischer Solidarität mit den Menschen auf der Flucht von Seiten der griechischen Bevölkerung, auch in der Unterstützung von radikaleren Ansätzen wie Hausbesetzungen. Oft kämen Leute und brächten Essen vorbei.

Foto: David Kaupp

Wir unterhalten uns mit einer Unterstützer*in, die im Squat wohnt. Sie erzählt uns, dass heute zwei Leute wieder im Haus angekommen sind, die versucht haben, in den Bergen nach Mazedonien zu gelangen. Sie waren sechs Tage unterwegs, haben es nicht geschafft, weiterzukommen. Der Weg ist anstrengend, kalt, gefährlich: Mittels der Bürokratie von den Herrschenden illegalisiert, müssen sie nachts wandern, um sich vor den Blicken von Polizei und ‚Mafia‘ zu schützen. Leute werden nicht nur aufgegriffen und in die Hoffnungslosigkeit zurückgeschickt, sie werden ausgeraubt und zusammengeschlagen. Es gibt viele Erzählungen von gebrochenen Rippen, Armen und Beinen. Von Menschen, die bewegungsunfähig im Schnee liegen gelassen wurden. Es sind viele Berichte im Umlauf, Infos und Tipps verbreiten sich schnell. Menschen auf der Flucht sind Expert*innen ihrer Lebenssituation. Die Kommunikationsnetzwerke funktionieren gut und auf solidarischer Grundlage.

Seit der Regelung, nur noch Menschen dreier Nationalitäten über die Grenze zu lassen, sind Menschen gezwungen, sich andere Papiere als ihre bisherigen zu besorgen. Dafür müssen sie entwürdigende Untersuchungen über sich ergehen lassen, damit europäische Beamte* feststellen können, wo sie geboren sind. Das Misstrauen, das die Behörden Menschen entgegen bringen, die gegen das unmenschliche (binnen)europäische Grenzregime aufbegehren, hat beschissene Folgen. Ein Mensch, der grade eine dreitätige Tortur hinter sich hat, um neue Papiere zu bekommen, erzählt uns von einer anderen syrischen Familie, die überfallen, der Taschen, Geld und Papiere gestohlen wurde. Um letztere ersetzen zu lassen, standen sie nachts bei Minusgraden vor der nächstgelegenen Polizeistation. Die Polizist*innen haben sie nicht in die Wache gelassen, ohne legitime Begründung und obwohl ein kleines Kind unter den Wartenden war. Irgendwann ist ein*e nicht völlig bescheuerte Polizist*in auf die Situation aufmerksam geworden, und hat die Menschen ins Warme geholt. Die Leute, die neue Papiere brauchen, kommen abends, weil sie darauf hoffen, 12 Stunden weniger im Knast verbringen zu müssen. Die Menschen bleiben standardmäßig ein oder zwei Nächte in den Zellen auf der ersten Polizeiwache, erst am übernächsten Tag werden sie dann in die nächstgelegene Wache gebracht, die ihnen neue Papiere ausstellen kann. Eine solche Situation passiert wohlsituierten Tourist*innen, denen im Urlaub ihr Portemonnaie samt Ausweis geklaut wird, selten. Es ist überflüssige Schikane und freiwillige Grausamkeit. Die potentiellen Aufnahme- und selbsternannten Transitländer behaupten, sie seien am Ende ihrer Kapazitäten, während die meisten Probleme aus menschenverachtender Ideologie heraus konstruiert werden.

Foto: David Kaupp

Die Frage, ob Leuten hier Schutz gewährt wird, hat sich nicht zu stellen. Die Frage lautet, wie wir das gemeinsam so hinkriegen, dass allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben gewährleistet wird. Drei Nächte in der Zelle, danach wurde unser Bekannter mit erneuerten Papieren wieder hinausgelassen. Die Familie ist seines Wissens nach immer noch in Gefangenschaft.

Die Personen, denen kaum ein anderer Ausweg bleibt, als sich andere Papiere zu besorgen, um über die Grenze gelassen zu werden, begeben sich damit in große Gefahr. Mit den obligatorischen Registrierungsverfahren auf der Fluchtroute wird größtmögliche Kontrolle über die Biografien migrierender Menschen angestrebt. Sobald ihre elektronischen Fingerabdrücke in einer der Datenbanken anderer Länder wiedererkannt werden, verlieren sie das Minimum an Schutz, dass ihnen die falschen Papiere geboten haben. Das Leben für Sans-Papiers in z.B. Deutschland ist schwer. Zu vielen vorhandenen Ressourcen wird ihnen der Zugang verwehrt, sie leben in permanenter Angst vor Gefängnis und Abschiebung. Leute fliehen u.a. nach Deutschland, um dort zu arbeiten, um Geld zu verdienen für sich oder Menschen, die sie unterstützen wollen. Ohne gültige Papiere wird das für sie quasi unmöglich gemacht.

In der irreführenden Diskussion um die ethische Vertretbarkeit der zahlreichen Versuche von Migrant*innen, sich z.B. syrische Papiere zu besorgen, vermischen sich zwei zusammenhängende Diskurse:

Zum einen die Diskussion um das Menschenrecht auf Asyl. Menschen müssen die Möglichkeit haben, in einem Land Asyl zu beantragen. Dabei darf Menschen nicht kategorisch auf Grund ihrer Nationalität Asyl verweigert werden. Die Diskussion um sogenannte ’sichere Herkunftsländer‘ ist absurd und teilt Geflüchtete willkürlich nach Nationalität in ‚legitim‘ und ‚illegitim‘ ein, völlig unabhängig von der Fluchtursache. Diese Einteilung ist untragbar und nicht vereinbar mit dem Menschenrecht auf Asyl. Das Asylverfahren muss an einem Ort stattfinden,  an dem sie sich sicherer fühlen. Während dieses Prozesses müssen sie geschützt und nicht behindert werden. Den expliziten Schutz vor Verfolgung benötigen Personen, die vor Angst, Folter oder Tod fliehen in höherer Dringlichkeit, als Personen, die aufgrund hoher Arbeitslosigkeit ein Land verlassen.

Zum anderen ist da die Debatte um Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit. Bewegungsfreiheit ist ein unendlich wertvolles Gut: Sie ist Voraussetzung für und Folge von Freiheit und Selbstbestimmung. Sie einzuschränken, ist Merkmal totalitärer Gesellschaften. Sie transnational einzuschränken, nimmt Zufälligkeiten, wie wer wo unter welcher politischen Agenda geboren ist und gelebt hat, als Realität bildend an. Unter der Prämisse, dass alle Menschen gleich und frei geboren sind, kann eine Behinderung in der Bewegungsfreiheit aufgrund einer bestimmten Staatszugehörigkeit nicht anerkannt werden.

Egal, auf welcher Ebene argumentiert wird, die Konsequenz muss in beiden Fällen die selbe sein: DIE GRENZEN MÜSSEN SICH FÜR ALLE ÖFFNEN! Die Menschen hören nicht auf vor Tod und Perspektivlosigkeit zu fliehen.

Jede Grenze tötet; bedeutet eine Sackgasse für das Leben so vieler Menschen. Nationen führen unweigerlich zum Ausschluss und zur Unterprivilegierung diverser Personen zu diversen Zeitpunkten. Das Konstrukt von Nationalstaaten verkleinert künstlich unsere Empathiezirkel anhand absurder völkischer Ideologie. Das können wir uns nicht leisten.

Viele Aktivist*innen stellen sich die Fragen: Wie können wir Menschen auf der Flucht und Migrant*innen helfen, ohne den jeweiligen Staat bzw das Grenzregime zu unterstützen, das für all das verantwortlich ist?  Das Bild weißer Helfender, die scheinbar selbstlos Menschen in Not unterstützen, wirft einmal mehr relevante Fragen auf: Wer verfügt über Ressourcen? Wer trifft Entscheidungen darüber, wie sie verteilt werden? Wer ist von diesen Entscheidungen abhängig? Die Antworten auf diese Fragen erschaffen eine Landkarte u.a. weißer Privilegien und rassistischer Hierarchien. Wie können wir also Unterstützungsarbeit leisten, ohne dabei Rassismus zu reproduzieren?

Ein Ansatz, den Politaktivist*innen für sich gefunden haben, sind Hausbesetzungen. Es ist der Versuch, sich von unten gemeinsam zu organisieren, zusammen zu leben, sich Raum zur Selbstorgansisation zu nehmen und Austauschsplattformen zu schaffen.

In Orfanotrofeio schlafen Leute vieler verschiedener Lebenssituationen und mit unterschiedlichen Privilegien in den Räumen auf dicht an dicht gelegten Matratzen. Noch wird das Haus vorrangig von Unterstützer*innen organisiert, hauptsächlich aus Griechenland, aber auch viele internationale Aktivist*innen. Uns wird erklärt, dass es schwierig sei, Refugees mit in die Organisationsstrukturen einzubinden, weil viele nicht so lange da seien und schnell weiterzögen.

Es gibt neben dem offenen Lebensmittellager eine große Küche im Erdgeschoss des Hauses, in der für alle gekocht werden kann. Im Gemeinschaftsraum findet eine Feier statt. Überall stehen Schälchen mit gespendetem Knabberzeug, es läuft marokkanische Musik, es sitzen um die 50 Personen auf den Sofas. Lautes  Stimmengewirr in verschiedenen Sprachen macht den Raum lebendig.

Uns wird gesagt, wenn wir eine Penne brauchen, können wir gerne im Squat übernachten. Falls es zu einer Räumung kommt, ist es sinnvoll, aufgrund der relativen Straffreiheit, Aktivist*innen mit EU-Pässen im Haus zu haben: Sie haben mit nicht so harten Konsequenzen bei einer Festnahme zu rechnen, sie werden beispielsweise nicht abgeschoben und es ist leichter, diplomatischen Druck aufzubauen, weil Leuten abhängig von ihrer Nationalität verschieden viel juristische Unterstützung zu teil wird. Wessen Leben zählt wieviel? Wessen körperliche Unversehrtheit gilt es, zu wahren? Die Polizei weiß sehr wohl, dass die Öffentlichkeit eine rassistische Meinung dazu vertritt.

Bonfire in the courtyard Foto: David Kaupp

Mikropolis

Wir besuchen Mikropolis, ein anderes anarchistisches Social Center in Thessaloniki, das schon lange besteht. Dort in der Bar unterhalten wir uns mit einer Aktivist*in. Wir sind neugierig: Was tut das Mikropolis-Kollektiv, um Menschen auf der Flucht zu unterstützen und dabei gleichzeitig gegen den Staat zu arbeiten? Wie helfen sie, ohne dabei die Strukturen, die die Situation der Flüchtenden herbeiführen, aus der Verantwortung zu nehmen, sie finanziell und organisatorisch zu entlasten, ohne stellvertretend die Symptome zu behandeln und damit die Ursachen zu stärken? Die Anarchistin* nickt bestätigend. Viele Aktivist*innen in Griechenland stellen sich ähnliche Fragen, stehen vor den gleichen Dilemmata wie Unterstützer*innen in Deutschland. Sie erzählt: Das Wichtigste ist es ihrer Meinung nach, die Grenzen anzugreifen. Die Grenzzäune sind das, was die Menschen tötet. Sie berichtet von einer Aktion im Oktober 2015 gegen den Zaun am Evros:

Der Stacheldrahtzaun an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland hat 2012 die kürzeste und sicherste Route für Menschen auf der Flucht nach Europa abgeschnitten. Dieser Zaun ist der Grund, dass die Menschen in Booten über das Mittelmeer auf die griechischen Inseln in der Ägäis gelangen müssen und dabei sterben. Zehntausende haben dabei bereits ihr Leben verloren.

Im Oktober haben Menschen, die diese Tode nicht hinnehmbar finden, einen Marsch auf den Zaun veranstaltet, um ihn niederzureiszen. Sie wurden von der Polizei daran gehindert. Dennoch hat der Demonstrationszug eine wichtige Funktion erfüllt: Er hat Aufmerksamkeit geschaffen. Es geht darum, dass Bewusstsein dafür zu verbreiten, dass es keine „Tragödie“ ist, wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken, es ist Mord. Es sind Entscheidungen von Regierungen, diese Zäune zu bauen und Leute aufs offene Meer hinaus zu zwingen. Es ist unsere Entscheidung, uns dieser Grausamkeit entgegenzusetzen und alles zu tun, um die Grenzen zu Fall zu bringen.

Die Aktivist*innen planen eine zweite Aktion am 30.01.16, die sich gegen den Zaun in Idomeni richtet. Die Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien bedeutet für viele eine Niemalszeit in Griechenland, ein banges Warten darauf, irgendwann nicht mehr festzusitzen, oder der gefährliche Weg über die Berge, Schmerz, Demütigung, Raub und Ruin, Tod.

Die Organisator*innen hoffen, dass auch Leute aus Mazedonien den Zaun von der anderen Seite angreifen, sie hoffen auf internationale Beteiligung, auch in Ungarn, Österreich, Slovenien. Deutschland braucht keinen Grenzzaun, um Menschen gewaltsam fernzuhalten: Es baut eine unsichtbare Mauern aus Verträgen wie Dublin III und anderen Abkommen mit Regierungen, Leute in Lager und Gefängnisse zu sperren oder umzubringen und so davon abzuhalten, nach Deutschland zu gelangen. Deutschland und die anderen EU Staaten finanzieren Zäune, Knäste und Überwachungstechnik mit Billionen.  Frontex kümmert sich darum, dass Menschen eher sterben, als Europa zu erreichen und ehrenamtliche Helfer*innen und Aktivist*innen keine Möglichkeit mehr haben einzuschreiten.

Direkte Hilfe für Flüchtende und Migrierende ist nötig und wichtig. Die Aktivistinnen aus Mikropolis vernetzen sich mit anderen Initiativen, sammeln Spenden und bringen diese nach Idomeni. Der Sammelpunkt für Sachspenden aller Art ist eine Lagerhalle in Vio.Me, einer besetzten Seifenfabrik in Thessaloniki. Mehrere Projekte, die Gesellschaft hin zu einem solidarischen und egalitären Miteinander verändern wollen, arbeiten zusammen. Außerdem stellt das Mikropolis-Kollektiv Leute, die im besetzten Haus Orfanotrofeio unterstützen.

In diesem Zusammenhang fragen wir noch etwas, das uns brennend interessiert: Wie schaffen wir in den Squats Räume, die anarchistischen Ansprüchen genügen? Die ganze Welt ist geprägt von Herrschaft, von Diskriminierung, von gegenseitiger Unterdrückung. Wie stellen wir sicher, dass wir uns in Projekten so organisieren und verhalten, dass wir einem herrschaftsfreien Miteinander näher kommen? Unserer Beobachtung nach reicht es nicht, auf die Homepage zu schreiben, „hier haben Sexismus, Rassismus, Nationalismus etc keinen Platz.“ Wir alle tragen unsere Prägungen mit in die Räume hinein, und wir sind alles andere als herrschafts- und zuschreibungsfrei sozialisiert.

Oft passiert es entgegegen anarchistischer Überzeugungen, dass Übergriffe, rassistische Organisationsstrukturen, nationalistische Handlungsprämissen, homophobe Aussagen und anderes  ausschließendes Verhalten umkommentiert bleibt. Die Aktivistin* stimmt uns zu, sie kenne das Problem. Ihr Vorschlag ist, von Anfang an strikte Regeln einzuführen, um bestimmte Standards zu schaffen. Beispielsweise: „Wer kocht, kocht für alle“, „Wer grabscht, fliegt raus.“ Sie glaubt, dass es immer schwieriger wird, eine sicherere und freiere Atmosphäre für alle zu schaffen, je länger sich uncooles Verhalten einschleifen konnte, wenn niemensch interveniert.

Ansprüche senken tut nur weh. Statt Unterdrückungsverhältnisse immer neu unangegriffen zu lassen und die Kämpfe dagegen abzuschwächen, müssen wir sie thematisieren, herausfordern und überwinden. Wir müssen uns über strategische Dilemmata, eingeschliffene und schwierig zu ändernde Situationen und deren Folgen, über Lösungsideen und bewährte Methoden austauschen. Wir müssen einander zuhören, Kritik feiern, miteinander lernen. Das wird in den Projekten, die entstanden sind, um die Situation für Menschen auf der Flucht zu verbessern, auch nicht einfacher als überall sonst. Unmöglich ist es aber nicht.