Soli Partys

Soli für den Wiederaufbau von Cizre und Sur am 25.06.16 im Epplehaus Tübingen

Kurzer Input und im Anschluss Konzert mit GeigerzählerPlakat Soli20

Seit letztem Herbst stellt das türkische Militär eine Stadt nach der anderen unter militärische Ausgangssperre und führt Krieg gegen die kurdische Bevölkerung. In den Städten unter Ausgangssperre begehen Polizei und Militär massenhaft Kriegsverbrechen und versuchen humanitäre Hilfe unmöglich zu machen.

Die Bevölkerung soll zermürbt und verdrängt werden und der Widerstand vernichtet werden. Die Ausgangssperren bedeuten für die Anwohner_innen, dass der Weg zum nächsten Laden lebensgefährlich wird, oft werden die Lebensmittel und sauberes Wasser knapp. Menschen sitzen für Wochen verletzt in Kellern fest und Ärzt_innen wird der Zugang verwehrt.

In dieser Situation sind Menschen in den umkämpften Gebieten zusammengekommen und haben begonnen ein Solidaritätsnetzwerk aufzubauen um die Menschen in den Städten unter Ausgangssperre zu unterstützen mit Lebensmitteln und später dann beim Wiederaufbau ihrer Viertel.

Diese Unterstützung braucht jedoch Geld – daher Zeit für Solipartys! Lasst uns gemeinsam zu schöner Musik tanzen und feiern und ein wenig Kohle sammeln für den Wiederaufbau der zerstörten Städte in der Süd-Ost-Türkei.

 

Mit Musik von Paul Geigerzähler:

Ganz früher, als in Berlin noch diese seltsame Betonwand herumstand, wurde in Budyšin ein Kind geboren, das früh die musikpädagogischen Errungenschaften der Deutschen Demokratischen Republik geniessen und Geige spielen wollte, durfte, sollte, musste.

Die Betonwand fiel um. Ich schnitt mir einen Iro, schmiss die Schule und begann eine Lehre als Hausbesetzer. Ich warf die Geige an die Wand, besorgte mir aber bald eine neue, weil ich zu faul war, Gitarre zu lernen. Mit dieser spielte ich in den 90ern in Bands mit lustigen Namen wie Köterkacke. Nachdem diese sich auflösten, fing ich aus langer Weile an solo Musik zu machen. Ein Name musste her, Geigerzähler passte ganz gut und als eben jener toure ich seit 2003 meist durch den deutschen Sprachraum, spielte aber auch schon mal in Tel Aviv, Ramallah oder New York.
Anfangs war das Punk ohne Schlagzeug, Gitarre und Bass unplugged mit Geige und Gesang. Später kamen Folk-, Reggeanummern und zwei Duos hinzu – Berlinska Dróha und Atze Wellblech. Außerdem spiele ich hin und wieder Geige zu elektronischer Musik.

 

Beginn 20:00, Eintritt 5€, Epplehaus Tübingen

Geflüchtete protestieren mit Selbstverletzung

Korinth, 17.01.16

Diese Bilder zeigen Geflüchtete aus Korinth, die sich aus Protest gegen ihre Lebensumstände:

The injury was self-inflicted to point out the inhuman living conditions.
The injury was self-inflicted to point out the inhuman living conditions.
Refugees wounded themselves in protest against the conditions in Corinth.
Refugees wounded themselves in protest against the conditions in Corinth.
One refugee in Corinth swallowed soap in protest.
One refugee in Corinth swallowed soap in protest.

Öffentliche Erklärung aus Chios

Der nachstehende Beitrag aus der Besetzung in Chios, Griechenland, ist ausschließlich in englischer Sprache verfügbar. Da wir nicht die Urheber*innen des Dokumentes sind, wollen wir uns eine – notwendigerweise den Inhalt leicht verändernde – Übersetzung nicht anmaßen:

Chios squat; Two days ago a part of our group got arrested. before any more misunderstandings come into this world we want to let everybody know what happened. A member of our group got arrested for taking a photo in the port, of a Frontex boat. To get the ID of our group member the police came to our car that was in front of the squat. When the police were at the squat they started asking all the people who were present for ID. At this moment none of the police officers had identified them self as police. After some time more police arrived and without any announcement jumped through the window into the squat. Once in the house they started searching through the house. All of this happened without explanation, no papers were shown to us stating who they were or what they were doing. During the search some marijuana was found in the house and the police started shouting at us for an explanation. Only the female group members where strip searched in the kitchen of the squat. When a group member said that she would not answer any questions and wanted to exercise her right to remain silent she was threatened by male officers and was told that they would take her to the station and could do whatever they wanted to make her talk.
After the search in the house was completed a search of the car began. A Window was smashed of one of the cars as the owners were not there and the others were opened.
When the police were dun checking everything 4 people were arrested and taken to the police station. When a group member asked why they were being arrested one police officer said that they had smuggled the drug that was found in the house on to the island and that if they did not declare that they were volunteers they would be seen as human traffickers. This was obvious a scare technique used by the police, because we haven’t heard anything about the human traffic charges again. At no point did the police show any documents declaring what they were doing. After some time at the station 2 group members were told they could leave seeing as there could prove that they were volunteers on the island. The other 2 group members were being interrogated by frontex and at this time it became clear that they were being charged with the suspicion of being spy’s. After the interrogation 1 of the 2 left over group members was also released as there was not enough reason to hold her.
During this process 2 people came to the police station to turn them self’s in and confessed that the drug belonged to them. These 2 people were held for drug possession and 1 other group member was held for suspicion of being a spy.
The next day they were all arraigned, the people being charged with drug possession were let go with probation and the group member charged with being a spy was released and is waiting for a court date.

Thank you for your support and involvement

Ein Kommentar zu rassistischen Perspektiven auf sexualisierte Gewalt

Jetzt ist es also soweit: Seit 2016 gibt es sexualisierte Gewalt in Deutschland. Ich bekomme fast  Angst, wieder nach Hause zu fahren, aber dann fällt mir ein: Sexuelle Übergriffe gibt es nur in Köln. Solange ich diese Stadt und ihre Leute meide, passiert mir nichts.

Ich sitze im Zug, lese Zeitungsartikel und bekomme einen Wutanfall. Sowohl die Berichterstattung über die Frauen*, die in der Silvesternacht sexuelle Belästigung erfahren und teilweise angezeigt haben, als auch der nachfolgende Diskurs finden zu großen Teilen auf eine Weise statt, die Schaden anrichtet.

Wo wollen wir hin? Wir wollen eine Welt ohne Gewalt, in der Menschen sich frei entfalten können, in der sie keine Angst vor sexistischen oder rassistischen Übergriffen haben müssen. Um Unterdrückungsverhältnisse bekämpfen zu können, müssen wir sie als solche erkennen und benennen. Sie müssen sprechbar sein, gehört und ernst genommen werden.

Was gerade passiert, ist dem nicht zuträglich. Die geheuchelte Sorge um „die Opfer“ wird benutzt, um rassistische/migratistische Positionen und damit andere Unterdrückungsverhältnisse zu stärken. Dabei wird die Perspektive der Betroffenen dezentralisiert.

Das ist einer der Faktoren, der sexualisierte Gewalt zu Gewalt macht: Die Wahrnehmung und Bedürfnisse der Betroffenen werden ignoriert, was sie wollen oder nicht wollen zählt nicht. Eine Reaktion auf Übergriffe darf nicht deren Muster wiederholen.

Viele Politiker*innen und Neofaschist*innen instrumentalisieren die Betroffenen der sexuellen Übergriffe für ihre rassistische Hetze. Ständig werden die Nationalität, Hautfarbe, der Aufenthaltsstatus als die angeblich ausschlaggebende Merkmale der Täter*innen propagiert. Ohne logischen Zusammenhang zur gesamtheitlichen Eindämmung sexualisierter Gewalt werden Rufe nach mehr Abschiebungen laut.

Epidemieartig melden sich weiße Männer* zu Wort, und thematisieren Nationalität oder Religion der mutmaßlichen Täter* mit einem gebetsmühlenartigen „das wird man ja wohl nochmal sagen dürfen!“ Mit dem gleichen Satz werden vielerorts z.B. verletzende Anmachsprüche legitimiert. Und in ideologischer Linie mit diesem Satz werden Sammelunterkünfte, in denen Menschen zu wohnen gezwungen sind, die Schutz und neue Lebensperspektiven suchen, angezündet und männlich gelesene People of Colour oder Personen, die (scheinbar) muslimische Symbolik tragen, zusammengeschlagen. Nach dem abgrundtief absurden Motto „Feminismus ist uns wichtig – deshalb gehen Männergruppen raus und verprügeln ‚Ausländer‘ whatever that is“ Die Konsequenzen dieser faschistischen Euphoriewelle sind für Menschen, die von Rassismus/Migratismus betroffen sind, grausam und lebensbedrohlich.

Gleichzeitig hat die rassistische/migratistische  Vereinnahmung des Diskurses um sexuelle Selbstbestimmung auch für die (potentiellen) Betroffenen von sexualisierter Gewalt verheerende Folgen:

1. Erlebt und berichtet eine Person einen der zahlreichen Übergriffe durch eine*n weißen Menschen mit deutschem Pass, wird sie darin nicht ernstgenommen. Seit jeher wird es Betroffenen schwer gemacht, einen Übergriff als solchen geltend zu machen und Unterstützung zu bekommen: Ihnen wird nicht geglaubt, ihnen wird die Zurechnungsfähigkeit oder gar „der Humor“ oder die Fähigkeit ein „Kompliment“ als solches zu erkennen, abgesprochen. Ihnen wird die Mit- oder Hauptschuld an der Vergewaltigung gegeben, sie werden mit Scham und Schuldgefühlen alleine gelassen. Vergewaltigungsmythen und Täter*schutz, Frauenbilder, die weibliche Körper als verfügbare Objekte und weibliche Handlungmuster als unsouverän, infantil oder intrigant und bösartig darstellen, sowie Heteronormativität, Transphobie und Antifeminismus prägen den Diskurs. „Gewaltverherrlichende Männlichkeitsnormen“ sind „deutscher“ Alltag. Dass diese Tatsache von weiten Teilen der Gesellschaft ignoriert wird, raubt Betroffenen die Basis, um ihre verletzenden Erfahrungen geltend zu machen, wenn sie nicht in die Agenda von Rechtspopulist*innen passen.

2. Erlebt eine Person einen Übergriff durch eine Person of Colour oder eine Person mit Rassismus-, Migrations- oder Fluchterfahrung, wird ihr zusätzlich zu all dem Schmerz der Grenzüberschreitung noch ein vermeidbares ethisches Dilemma aufgebürdet. All die rassistische Reaktionen machen es nicht leichter, den Vorfall öffentlich zu bearbeiten. Wenn ich etwas als Gewalt erlebt habe, möchte ich, dass danach auf meine Bedürfnisse Rücksicht genommen wird. Ich möchte nicht noch die zusätzliche Verantwortung für das leibliche und seelische Wohl des Täters*/der Täter* und unbeteiligter Dritter tragen. Wenn ich weiß, dass eine Person in Tod, Folter oder ökonomische Perspektivlosigkeit abgeschoben wird, zeige ich sie nicht an; wenn ich weiß, dass die nachfolgende Debatte Millionen von Menschen stigmatisiert und ihr Leid an den (binnen)europäischen Grenzen zu legitimieren versucht, bringe ich den Fall nicht an die Öffentlichkeit. In die Öffentlichkeit, die den deutschlandweiten Diskurs zur Zeit prägt, habe ich kein Vertrauen. Das Migrant*innen-/Refugee-feindliche Ausschlachten sexueller Übergriffe macht viele Betroffene und ihre Unterstützer*innen stumm. Jedes rechts-gesinnte, pseudo-märtyrerische „Endlich sagts mal eine*r!“  ist eine zynische Lüge und Ohrfeige für emanzipatorische Versuche, mit sexueller Gewalt umzugehen.

3. Personen, die von Sexismus UND Rassismus betroffen sind, fallen aus dem Fokus. Wie viel Gewalt wurde Women* of Colour von weißen Männern* und Frauen* angetan? Die Vergewaltigungen im Kontext von Kolonialisierung und Versklavung sind unzählbar. Immernoch sind Darstellung und Rezeptionen vermeintlich „exotischer““Schönheit“, die hartnäckige Vorstellung, Schwarze und Braune Frauen seien Teil einer „Natur“, die es sich anzueignen und über die es frei zu verfügen gilt, und das Ausnutzen patriarchaler und ökonomischer Gefälle für das Phänomen Sextourismus Alltag. Viele Überlebende sexualisierter Gewalt sind Personen of Colour, Personen mit Migrations- und Fluchterfahrung.

Erfahrungen müssen sprechbar bleiben und werden. Wir müssen mehr als das Schweigen brechen – auch die Taubheit. Weiße, „deutsche“ Täter*innenschaft wird einmal mehr unsichtbar gemacht, die faschistische Instrumentalisierung von  rassistisch verwertbarer Täter*innenschaft bringt eine Tabuisierung in Kreisen mit antifaschistischer Gesinnung mit sich. Jeder neue blinde Fleck im Diskurs um sexualisierte Gewalt bringt uns weiter weg von einer befreiten Gesellschaft.

Wir brauchen autonome Strukturen, die sich um die Bedürfnisse der Betroffenen kümmern. Wir brauchen Möglichkeiten, über sexistisches Verhalten und sexistische Denkmuster von und (gegen)über Menschen nicht-deutscher Herkunft zu reden, die rassistische Unterdrückung nicht stabilisieren. Wir brauchen antisexistische Bildungsarbeit für alle Personen, egal, seit wann sie wo leben. Lasst uns gemeinsam und einander bilden, auf sexistisches, rassistisches, antisemitisches, nationalistisches anderes diskriminierendes Verhalten und Grundannahmen aufmerksam machen, ein neues achtsameres Miteinander erlernen. Der Weg ist noch weit:

Während sich Populist*innen hier ganz besorgt um „die armen schützenswerten Frauen“ geben, befürworten sie Grenzschließungen, Obergrenzen für die Aufnahme von Geflüchteten – und damit für das Menschenrecht auf Asyl – und Abschiebungen. Viele Frauen* fliehen vor häuslicher Gewalt, vor Vergewaltigung und tödlichen „Methoden“ zum Schwangerschaftsabbruch, vor Mord und Unterdrückung, alles Erfahrungen, die sich hier zu aktualisieren drohen. Ihnen müssen auf und nach der Flucht Schutzräume geboten werden. Aber wenn sie nicht den zufällig „richtigen“ Pass haben, werden sie nicht über die (binnen)europäischen Grenzen gelassen und z.B. in Griechenland in Lagern und Gefängnissen festgehalten oder gezwungen, dort auf der Straße zu leben. Egal, wie viele Länder als vermeintlich „sicher“ fremdbenannt werden, Gewalt gegen Frauen* wird sich dadurch nicht abschaffen.

Wir brauchen keine Gelder für Frontex und Regierungen, die die Flüchtenden mit allen Mitteln davon abhalten sollen, Europa, die EU oder Deutschland zu erreichen, sondern für selbst-organisierte Frauen*gruppen, die sich in den jeweiligen Regionen für Frauen*rechte stark machen, wie z.B. Kafa im Libanon. Kurd*innen kämpfen in Rojava gegen Patriarchat und IS. Und Deutschland gibt Erdogan Milliarden von Euro, mit denen er u.a. Gefängnisse für Migrant*innen baut und Kurd*innen ermordet. In den Refugee Camps, in den (Abschiebe)knästen und Lagern entlang der Balkanroute und genauso in denen in Deutschland gibt es kaum Privatsphäre und keine Schutzräume. Sexuelle Belästigung durch andere Refugees, Polizist*innen und Anwohner*innen ist alltäglich.

Die rechte Stimmungsmache und politische Praxis gegen Menschen auf der Flucht und Migrant*innen leistet ihren Teil zur Aufrechterhaltung von Gewalt gegen Frauen* weltweit.

Das Patriarchat ist überall. Auch in „unserem“ achso fortschrittlichen „Deutschland“ sind Homophobie und Sexismus kaum weniger als ein Zeichen gelungener Integration. Viele Kulturen sind von Männlichkeiten dominiert. Und  keine sollte es sein. Überall gibt es Frauen*, Männer*, Trans* und Inter*personen, Lesben* und Schwule*, Bi*- und Asexuelle, die sexistischer Gewalt ausgesetzt sind, und überall gibt es Menschen, die sich dagegen wehren. Menschen, die gegen ihre Unterdrückung kämpfen, und solidarische Verbündete. Alle, die im Jahr 2016 sexuelle Selbstbestimmung als etwas unterstützenswertes für sich entdeckt haben, sind herzlich eingeladen, sich an den Kämpfen gegen das Patriarchat zu beteiligen:

Lasst verbale Gewalt nicht umkommentiert! Gebt sexualisierten Demonstrationen männlicher Macht, frauenfeindlichen Witzen, homophoben Beleidigungen keinen Raum. Fragt Menschen, die eurer Beobachtung nach auf der Straße oder in Clubs etc. bedrängt werden, wie es ihnen geht und ob sie sich irgendeine Form von Unterstützung wünschen. Brecht die Logik, die Frauen als schutzbedürftige Objekte abstempelt. Unterstützt die Sprechposition von FrauenLesbenTrans*Interpersonen im öffentlichen Raum, schenkt Betroffenen von Diskriminierung Gehör und bietet uns Plattformen, zeigt Filme mit weiblichen, lesbischen, Braunen oder Schwarzen Superheld*innen, zitiert die Arbeiten weiblicher* Wissenschaftler*innen, spielt emanzipatorische Musik. Unterstützt FLTI*Räume und Projekte. Nehmt an Antisexismus-Workshops teil und dient als feministische Multiplikator*innen. Greift das heteronormative Weltbild unseres Alltags an und wehrt euch gegen die einschränkenden und unkreativen Rollenzuweisungen zweier konstruierter Geschlechter. Schaut in den Spiegel und emanzipiert euch von den gewaltvollen Männlichkeitsnormen, mit denen ihr aufgewachsen seid. Begeht Suizid, spendet Geld an selbstorganisierte Unterstützungsprojekte für Überlebende sexualisierter Gewalt.

Und: Setzt euch dafür ein, dass FrauenLesbenSchwulenTrans*Inter-personen, die vor patriarchaler Unterdrückung fliehen, Asyl gewährt wird. Kämpft für libertäre Ideale: Sexuelle Selbstbestimmung und Bewegungsfreiheit sind nur zwei davon.

“I do not believe that our sexuality, gender expression and bodies can be liberated without making a ferocious mobilization against imperialist war and racism an integral part of our struggle.“ Leslie Feinberg.

Feminismus kennt keine Grenzen!

04.01.16 Athen

Refugees sleeping on Victoria square in Athens
Refugees sleeping on Victoria square in Athens, Foto: David Kaupp

Ein Großteil der Menschen auf der Flucht, die an der mazedonischen Grenze abgewiesen werden, also alle ohne syrischen, afghanischen oder irakischen Pass, werden gezwungen, mit Bussen nach Athen zu fahren. Für diese Busse müssen die Menschen zudem 20€ zahlen. Die Busse setzen die Menschen mittlerweile meist einfach im Stadtzentrum aus, nur wenige kommen zu den Refugee Camps und immer wieder werden Refugees dort abgewiesen.

Da mittlerweile zudem viele Hostels sich weigern zum Beispiel Menschen mit Marrokanischem Pass ein Zimmer zu geben, bleibt Vielen nur noch die Straße.

Am Victoria Square im Stadtzentrum schlafen jede Nacht Refugees auf improvisierten Betten aus Decken und Pappkartons. Da der Staat keinerlei humanitäre Versorgung stellt, haben Freiwillige begonnen täglich Essen und Decken auszugeben.

Nicht weit von Victoria Square befindet sich das besetzte Haus Notara26, das Familien und kranken Menschen auf der Flucht Unterkunft bietet. Die Priorisierung war eine Folge des überwältigenden Andrangs, da bei weitem nicht genug Plätze im Haus vorhanden sind, um allen Menschen ohne Unterkunft ein Dach über dem Kopf zu gewähren.

Bis Mitte Dezember konnten viele Menschen in einem Taek Won Do Stadium unterkommen. Dort waren teilweise bis zu 2,500 Menschen untergebracht.

Doch das Camp wurde geschlossen, ohne dass ausreichende Alternativen zu Verfügung gestellt wurden.

Eines der Camps das als Alternative zum Stadium dienen soll, ist Helliniko im Süden der Stadt. Einige Eindrücke aus dem komplett isolierten Camp findet ihr hier.

 

The Taek Won Do stadium were refugees that was used as a refugee shelter until mid December
The Taek Won Do stadium that was used as a refugee shelter until mid December, Foto: David Kaupp

 

Thessaloniki 31.12.15

Thessaloniki 31.12.15

Viele Leute, die an der Grenze zu oder in Mazedonien gewaltsam an der Weiterreise gehindert werden, werden mit Bussen zurück nach Athen deportiert. Sie müssen das 20€ teure Ticket selbst bezahlen. Privatunternehmen verdienen sich dumm an Menschen in Notsituationen. Die meisten Personen können oder wollen nicht zurück, sie hängen in Griechenland fest, im Hin- und Her zwischen den Versuchen, weiter nach Nordwesten zu kommen und den Rückschlägen. An vielen Orten brauchen Menschen medizinische Versorgung, Unterkünfte und Schlafplätze. Nicht überall finden sie welche.

Es gibt mehrere Häuser in Griechenland, die in Solidarität mit Menschen auf der Flucht besetzt worden sind und jetzt gemeinsam bewohnt werden, von Leuten mit und ohne Pass, verschiedener Nationalität und unterschiedlicher Lebenssituation.

Orfanotrofeio

The courtyard of Orfanotrofeio squat in solidarity with refugees in Thessaloniki
The courtyard of Orfanotrofeio squat in solidarity with refugees in Thessaloniki Foto: David Kaupp

In Thessaloniki besuchen wir den Squat Orfanotofeio. Das alte Waisenhaus war schon einmal besetzt, wurde geräumt und vor etwa einem Monat wieder eröffnet.

Wir steigen durch den Toreingang in den Innenhof. In einer Ecke brennt ein Feuer in einem alten Einkaufswagen, darum sitzen Menschen. Sie winken uns zu sich heran, wir setzen uns dazu. Wir unterhalten uns mit Handzeichen, Satzfetzen, Lachen. Ein Junge zeigt uns mit den Fingern an, er sei 17 Jahre alt, und erzählt seine Geschichte. Er zeigt auf sich, läuft mit den Fingerspitzen durch die Luft  und sagt „Makedonia“, sagt „Police“ und macht Trittbewegungen mit dem Fuß. Sagt „No Back Iraq“, legt die eine Hand um den Hals und zieht mit der anderen eine unsichtbare Schlinge zu.

Wir rufen einen Freund zu Hause an, dessen Muttersprache Arabisch ist, der am Telefon mit dem Jungen spricht und uns danach auf Englisch weitergibt, was er uns erzählen wollte: Er hat schon mehrmals versucht, durch Mazedonien zu kommen, es hat nie geklappt. Mehrfach hat er es über die Grenze geschafft, doch jedes Mal hat ihn dann die mazedonische Polizei aufgegriffen, geschlagen und nach Griechenland zurück gebracht. Wo er herkommt, gehört er zu einer religiösen Minderheit, wird verfolgt, kann nicht zurückkehren. Er will es wieder versuchen, durch Mazedonien zu kommen. Solange, bis es klappt.

Der Junge zeigt uns gut gelaunt, was er alles an Kampfsportarten drauf hat. Bringt uns Bewegungen bei; Karate, Taekwando, Judo, Kickboxen.

Eine alte Frau* kommt in den Innenhof und gibt eine Tüte mit Lebensmitteln ab. Uns wird erzählt, es gäbe ein hohes Maß an praktischer Solidarität mit den Menschen auf der Flucht von Seiten der griechischen Bevölkerung, auch in der Unterstützung von radikaleren Ansätzen wie Hausbesetzungen. Oft kämen Leute und brächten Essen vorbei.

Foto: David Kaupp

Wir unterhalten uns mit einer Unterstützer*in, die im Squat wohnt. Sie erzählt uns, dass heute zwei Leute wieder im Haus angekommen sind, die versucht haben, in den Bergen nach Mazedonien zu gelangen. Sie waren sechs Tage unterwegs, haben es nicht geschafft, weiterzukommen. Der Weg ist anstrengend, kalt, gefährlich: Mittels der Bürokratie von den Herrschenden illegalisiert, müssen sie nachts wandern, um sich vor den Blicken von Polizei und ‚Mafia‘ zu schützen. Leute werden nicht nur aufgegriffen und in die Hoffnungslosigkeit zurückgeschickt, sie werden ausgeraubt und zusammengeschlagen. Es gibt viele Erzählungen von gebrochenen Rippen, Armen und Beinen. Von Menschen, die bewegungsunfähig im Schnee liegen gelassen wurden. Es sind viele Berichte im Umlauf, Infos und Tipps verbreiten sich schnell. Menschen auf der Flucht sind Expert*innen ihrer Lebenssituation. Die Kommunikationsnetzwerke funktionieren gut und auf solidarischer Grundlage.

Seit der Regelung, nur noch Menschen dreier Nationalitäten über die Grenze zu lassen, sind Menschen gezwungen, sich andere Papiere als ihre bisherigen zu besorgen. Dafür müssen sie entwürdigende Untersuchungen über sich ergehen lassen, damit europäische Beamte* feststellen können, wo sie geboren sind. Das Misstrauen, das die Behörden Menschen entgegen bringen, die gegen das unmenschliche (binnen)europäische Grenzregime aufbegehren, hat beschissene Folgen. Ein Mensch, der grade eine dreitätige Tortur hinter sich hat, um neue Papiere zu bekommen, erzählt uns von einer anderen syrischen Familie, die überfallen, der Taschen, Geld und Papiere gestohlen wurde. Um letztere ersetzen zu lassen, standen sie nachts bei Minusgraden vor der nächstgelegenen Polizeistation. Die Polizist*innen haben sie nicht in die Wache gelassen, ohne legitime Begründung und obwohl ein kleines Kind unter den Wartenden war. Irgendwann ist ein*e nicht völlig bescheuerte Polizist*in auf die Situation aufmerksam geworden, und hat die Menschen ins Warme geholt. Die Leute, die neue Papiere brauchen, kommen abends, weil sie darauf hoffen, 12 Stunden weniger im Knast verbringen zu müssen. Die Menschen bleiben standardmäßig ein oder zwei Nächte in den Zellen auf der ersten Polizeiwache, erst am übernächsten Tag werden sie dann in die nächstgelegene Wache gebracht, die ihnen neue Papiere ausstellen kann. Eine solche Situation passiert wohlsituierten Tourist*innen, denen im Urlaub ihr Portemonnaie samt Ausweis geklaut wird, selten. Es ist überflüssige Schikane und freiwillige Grausamkeit. Die potentiellen Aufnahme- und selbsternannten Transitländer behaupten, sie seien am Ende ihrer Kapazitäten, während die meisten Probleme aus menschenverachtender Ideologie heraus konstruiert werden.

Foto: David Kaupp

Die Frage, ob Leuten hier Schutz gewährt wird, hat sich nicht zu stellen. Die Frage lautet, wie wir das gemeinsam so hinkriegen, dass allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben gewährleistet wird. Drei Nächte in der Zelle, danach wurde unser Bekannter mit erneuerten Papieren wieder hinausgelassen. Die Familie ist seines Wissens nach immer noch in Gefangenschaft.

Die Personen, denen kaum ein anderer Ausweg bleibt, als sich andere Papiere zu besorgen, um über die Grenze gelassen zu werden, begeben sich damit in große Gefahr. Mit den obligatorischen Registrierungsverfahren auf der Fluchtroute wird größtmögliche Kontrolle über die Biografien migrierender Menschen angestrebt. Sobald ihre elektronischen Fingerabdrücke in einer der Datenbanken anderer Länder wiedererkannt werden, verlieren sie das Minimum an Schutz, dass ihnen die falschen Papiere geboten haben. Das Leben für Sans-Papiers in z.B. Deutschland ist schwer. Zu vielen vorhandenen Ressourcen wird ihnen der Zugang verwehrt, sie leben in permanenter Angst vor Gefängnis und Abschiebung. Leute fliehen u.a. nach Deutschland, um dort zu arbeiten, um Geld zu verdienen für sich oder Menschen, die sie unterstützen wollen. Ohne gültige Papiere wird das für sie quasi unmöglich gemacht.

In der irreführenden Diskussion um die ethische Vertretbarkeit der zahlreichen Versuche von Migrant*innen, sich z.B. syrische Papiere zu besorgen, vermischen sich zwei zusammenhängende Diskurse:

Zum einen die Diskussion um das Menschenrecht auf Asyl. Menschen müssen die Möglichkeit haben, in einem Land Asyl zu beantragen. Dabei darf Menschen nicht kategorisch auf Grund ihrer Nationalität Asyl verweigert werden. Die Diskussion um sogenannte ’sichere Herkunftsländer‘ ist absurd und teilt Geflüchtete willkürlich nach Nationalität in ‚legitim‘ und ‚illegitim‘ ein, völlig unabhängig von der Fluchtursache. Diese Einteilung ist untragbar und nicht vereinbar mit dem Menschenrecht auf Asyl. Das Asylverfahren muss an einem Ort stattfinden,  an dem sie sich sicherer fühlen. Während dieses Prozesses müssen sie geschützt und nicht behindert werden. Den expliziten Schutz vor Verfolgung benötigen Personen, die vor Angst, Folter oder Tod fliehen in höherer Dringlichkeit, als Personen, die aufgrund hoher Arbeitslosigkeit ein Land verlassen.

Zum anderen ist da die Debatte um Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit. Bewegungsfreiheit ist ein unendlich wertvolles Gut: Sie ist Voraussetzung für und Folge von Freiheit und Selbstbestimmung. Sie einzuschränken, ist Merkmal totalitärer Gesellschaften. Sie transnational einzuschränken, nimmt Zufälligkeiten, wie wer wo unter welcher politischen Agenda geboren ist und gelebt hat, als Realität bildend an. Unter der Prämisse, dass alle Menschen gleich und frei geboren sind, kann eine Behinderung in der Bewegungsfreiheit aufgrund einer bestimmten Staatszugehörigkeit nicht anerkannt werden.

Egal, auf welcher Ebene argumentiert wird, die Konsequenz muss in beiden Fällen die selbe sein: DIE GRENZEN MÜSSEN SICH FÜR ALLE ÖFFNEN! Die Menschen hören nicht auf vor Tod und Perspektivlosigkeit zu fliehen.

Jede Grenze tötet; bedeutet eine Sackgasse für das Leben so vieler Menschen. Nationen führen unweigerlich zum Ausschluss und zur Unterprivilegierung diverser Personen zu diversen Zeitpunkten. Das Konstrukt von Nationalstaaten verkleinert künstlich unsere Empathiezirkel anhand absurder völkischer Ideologie. Das können wir uns nicht leisten.

Viele Aktivist*innen stellen sich die Fragen: Wie können wir Menschen auf der Flucht und Migrant*innen helfen, ohne den jeweiligen Staat bzw das Grenzregime zu unterstützen, das für all das verantwortlich ist?  Das Bild weißer Helfender, die scheinbar selbstlos Menschen in Not unterstützen, wirft einmal mehr relevante Fragen auf: Wer verfügt über Ressourcen? Wer trifft Entscheidungen darüber, wie sie verteilt werden? Wer ist von diesen Entscheidungen abhängig? Die Antworten auf diese Fragen erschaffen eine Landkarte u.a. weißer Privilegien und rassistischer Hierarchien. Wie können wir also Unterstützungsarbeit leisten, ohne dabei Rassismus zu reproduzieren?

Ein Ansatz, den Politaktivist*innen für sich gefunden haben, sind Hausbesetzungen. Es ist der Versuch, sich von unten gemeinsam zu organisieren, zusammen zu leben, sich Raum zur Selbstorgansisation zu nehmen und Austauschsplattformen zu schaffen.

In Orfanotrofeio schlafen Leute vieler verschiedener Lebenssituationen und mit unterschiedlichen Privilegien in den Räumen auf dicht an dicht gelegten Matratzen. Noch wird das Haus vorrangig von Unterstützer*innen organisiert, hauptsächlich aus Griechenland, aber auch viele internationale Aktivist*innen. Uns wird erklärt, dass es schwierig sei, Refugees mit in die Organisationsstrukturen einzubinden, weil viele nicht so lange da seien und schnell weiterzögen.

Es gibt neben dem offenen Lebensmittellager eine große Küche im Erdgeschoss des Hauses, in der für alle gekocht werden kann. Im Gemeinschaftsraum findet eine Feier statt. Überall stehen Schälchen mit gespendetem Knabberzeug, es läuft marokkanische Musik, es sitzen um die 50 Personen auf den Sofas. Lautes  Stimmengewirr in verschiedenen Sprachen macht den Raum lebendig.

Uns wird gesagt, wenn wir eine Penne brauchen, können wir gerne im Squat übernachten. Falls es zu einer Räumung kommt, ist es sinnvoll, aufgrund der relativen Straffreiheit, Aktivist*innen mit EU-Pässen im Haus zu haben: Sie haben mit nicht so harten Konsequenzen bei einer Festnahme zu rechnen, sie werden beispielsweise nicht abgeschoben und es ist leichter, diplomatischen Druck aufzubauen, weil Leuten abhängig von ihrer Nationalität verschieden viel juristische Unterstützung zu teil wird. Wessen Leben zählt wieviel? Wessen körperliche Unversehrtheit gilt es, zu wahren? Die Polizei weiß sehr wohl, dass die Öffentlichkeit eine rassistische Meinung dazu vertritt.

Bonfire in the courtyard Foto: David Kaupp

Mikropolis

Wir besuchen Mikropolis, ein anderes anarchistisches Social Center in Thessaloniki, das schon lange besteht. Dort in der Bar unterhalten wir uns mit einer Aktivist*in. Wir sind neugierig: Was tut das Mikropolis-Kollektiv, um Menschen auf der Flucht zu unterstützen und dabei gleichzeitig gegen den Staat zu arbeiten? Wie helfen sie, ohne dabei die Strukturen, die die Situation der Flüchtenden herbeiführen, aus der Verantwortung zu nehmen, sie finanziell und organisatorisch zu entlasten, ohne stellvertretend die Symptome zu behandeln und damit die Ursachen zu stärken? Die Anarchistin* nickt bestätigend. Viele Aktivist*innen in Griechenland stellen sich ähnliche Fragen, stehen vor den gleichen Dilemmata wie Unterstützer*innen in Deutschland. Sie erzählt: Das Wichtigste ist es ihrer Meinung nach, die Grenzen anzugreifen. Die Grenzzäune sind das, was die Menschen tötet. Sie berichtet von einer Aktion im Oktober 2015 gegen den Zaun am Evros:

Der Stacheldrahtzaun an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland hat 2012 die kürzeste und sicherste Route für Menschen auf der Flucht nach Europa abgeschnitten. Dieser Zaun ist der Grund, dass die Menschen in Booten über das Mittelmeer auf die griechischen Inseln in der Ägäis gelangen müssen und dabei sterben. Zehntausende haben dabei bereits ihr Leben verloren.

Im Oktober haben Menschen, die diese Tode nicht hinnehmbar finden, einen Marsch auf den Zaun veranstaltet, um ihn niederzureiszen. Sie wurden von der Polizei daran gehindert. Dennoch hat der Demonstrationszug eine wichtige Funktion erfüllt: Er hat Aufmerksamkeit geschaffen. Es geht darum, dass Bewusstsein dafür zu verbreiten, dass es keine „Tragödie“ ist, wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken, es ist Mord. Es sind Entscheidungen von Regierungen, diese Zäune zu bauen und Leute aufs offene Meer hinaus zu zwingen. Es ist unsere Entscheidung, uns dieser Grausamkeit entgegenzusetzen und alles zu tun, um die Grenzen zu Fall zu bringen.

Die Aktivist*innen planen eine zweite Aktion am 30.01.16, die sich gegen den Zaun in Idomeni richtet. Die Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien bedeutet für viele eine Niemalszeit in Griechenland, ein banges Warten darauf, irgendwann nicht mehr festzusitzen, oder der gefährliche Weg über die Berge, Schmerz, Demütigung, Raub und Ruin, Tod.

Die Organisator*innen hoffen, dass auch Leute aus Mazedonien den Zaun von der anderen Seite angreifen, sie hoffen auf internationale Beteiligung, auch in Ungarn, Österreich, Slovenien. Deutschland braucht keinen Grenzzaun, um Menschen gewaltsam fernzuhalten: Es baut eine unsichtbare Mauern aus Verträgen wie Dublin III und anderen Abkommen mit Regierungen, Leute in Lager und Gefängnisse zu sperren oder umzubringen und so davon abzuhalten, nach Deutschland zu gelangen. Deutschland und die anderen EU Staaten finanzieren Zäune, Knäste und Überwachungstechnik mit Billionen.  Frontex kümmert sich darum, dass Menschen eher sterben, als Europa zu erreichen und ehrenamtliche Helfer*innen und Aktivist*innen keine Möglichkeit mehr haben einzuschreiten.

Direkte Hilfe für Flüchtende und Migrierende ist nötig und wichtig. Die Aktivistinnen aus Mikropolis vernetzen sich mit anderen Initiativen, sammeln Spenden und bringen diese nach Idomeni. Der Sammelpunkt für Sachspenden aller Art ist eine Lagerhalle in Vio.Me, einer besetzten Seifenfabrik in Thessaloniki. Mehrere Projekte, die Gesellschaft hin zu einem solidarischen und egalitären Miteinander verändern wollen, arbeiten zusammen. Außerdem stellt das Mikropolis-Kollektiv Leute, die im besetzten Haus Orfanotrofeio unterstützen.

In diesem Zusammenhang fragen wir noch etwas, das uns brennend interessiert: Wie schaffen wir in den Squats Räume, die anarchistischen Ansprüchen genügen? Die ganze Welt ist geprägt von Herrschaft, von Diskriminierung, von gegenseitiger Unterdrückung. Wie stellen wir sicher, dass wir uns in Projekten so organisieren und verhalten, dass wir einem herrschaftsfreien Miteinander näher kommen? Unserer Beobachtung nach reicht es nicht, auf die Homepage zu schreiben, „hier haben Sexismus, Rassismus, Nationalismus etc keinen Platz.“ Wir alle tragen unsere Prägungen mit in die Räume hinein, und wir sind alles andere als herrschafts- und zuschreibungsfrei sozialisiert.

Oft passiert es entgegegen anarchistischer Überzeugungen, dass Übergriffe, rassistische Organisationsstrukturen, nationalistische Handlungsprämissen, homophobe Aussagen und anderes  ausschließendes Verhalten umkommentiert bleibt. Die Aktivistin* stimmt uns zu, sie kenne das Problem. Ihr Vorschlag ist, von Anfang an strikte Regeln einzuführen, um bestimmte Standards zu schaffen. Beispielsweise: „Wer kocht, kocht für alle“, „Wer grabscht, fliegt raus.“ Sie glaubt, dass es immer schwieriger wird, eine sicherere und freiere Atmosphäre für alle zu schaffen, je länger sich uncooles Verhalten einschleifen konnte, wenn niemensch interveniert.

Ansprüche senken tut nur weh. Statt Unterdrückungsverhältnisse immer neu unangegriffen zu lassen und die Kämpfe dagegen abzuschwächen, müssen wir sie thematisieren, herausfordern und überwinden. Wir müssen uns über strategische Dilemmata, eingeschliffene und schwierig zu ändernde Situationen und deren Folgen, über Lösungsideen und bewährte Methoden austauschen. Wir müssen einander zuhören, Kritik feiern, miteinander lernen. Das wird in den Projekten, die entstanden sind, um die Situation für Menschen auf der Flucht zu verbessern, auch nicht einfacher als überall sonst. Unmöglich ist es aber nicht.

Idomeni 30.12.2015

Refugee child in front of the border crossing
Refugee child in front of the border crossing, Foto: David Kaupp

 

Prolog

Am 28.12.15 sind wir zu zweit nach Griechenland losgefahren. Hier findet ihr in den nächsten Tagen nach und nach Veröffentlichungen unseres Reiseberichts. Wir sind diesmal nicht primär unterwegs, um direkte Unterstützung vor Ort zu leisten, sondern um uns die Situation in Griechenland für Menschen auf der Flucht / Migrant*innen anzuschauen und darüber zu berichten. Wir wollen dokumentieren, wie sich hier praktische Solidarität organisiert, nach welchen Ansätzen die Projekte und Gruppen arbeiten und inwiefern sie sich im Widerspruch zu den herrschenden Verhältnissen befinden. Wir hoffen, ein genaueres Bild davon zu bekommen, auf welche  Weise gerade auf Alternativen zur momentanen gesamtgesellschaftlichen Situation hingearbeitet wird. Die aktuelle Politik beruht auf Ausgrenzung und Tod und wird auch immer wieder darauf hinaus laufen. Wir müssen sie ändern.

Auch diesmal unterstützen uns Menschen aus unserer Gruppe als Back-Office, das mit uns in Kontakt steht, Infos an uns weiterleitet und Texte übersetzt. Vielen Dank!

Im Nachtzug von Belgrad nach Thessaloniki unterhalten wir uns mit einer Person über die Situation für Menschen auf der Flucht in Serbien. Sie kritisiert das Verhalten der serbischen Behörden: „A lot of people here are trying to help. Still we are a poor country right now, and we don’t have enough ressources for everybody. But when there is people who want to support us by bringing supplies into Serbia, they are stopped. The government is making it really hard for international volunteers to help the refugees. I don’t understand why, it’s stupid.“

 

Idomeni 30.12.15

Früh am 30.12.15 kommen wir in Gevgelia an der Mazedonisch-Griechischen Grenze an. Es fährt kein Zug nach Idomeni, auch der Schienenersatzverkehr hält dort nicht. Wir überreden den Busfahrer mit Hilfe einiger anderer Passagier*innen dazu, uns mit über die Grenze zu nehmen und an der Autobahnausfahrt nach Idomeni rauszulassen. Von dort aus laufen wir die 5 km bis ins Dorf.

highway exit Idomeni
highway exit Idomeni, Foto: David Kaupp

 

Als wir im Camp ankommen, wirkt alles sehr leer. Wir beobachten Leute, die auf der anderen Straßenseite einen Pavillon abbauen. An den Containern und  überall an den Wänden sind Graffiti.

Die Tags sind in verschiedenen Schriftsprachen verfasst, in schwarzer und roter Sprayfarbe. Wir haben die Berichte der letzten Wochen aus Idomeni im Kopf, wie Menschen hier gegen ihren Willen festgehalten, aufgehalten und zurücktransportiert werden, und auch wie einige dagegen aufbegehren. Über die Proteste der Geflüchteten, den Hungerstreik von Leuten, die sich die Lippen zunähen, über die Versuche der Eingekesselten, durch den Grenzzaun zu brechen. An der Wand eines verfallenen Gebäudes hat jemand Zeichnungen und Schriftzüge eingekratzt. Die Assoziation Knast ist allgegenwärtig. Viele der Graffiti verstehen wir nicht oder können sie nicht einordnen. Wir fotografieren sie, damit wir sie später Freund*innen zeigen und uns übersetzen lassen können. Wenn wir Bilder ins Internet stellen, auf denen Graffitis in anderen Sprachen als Deutsch oder Englisch sind, können wir nicht einschätzen, wir wir politisch zu ihnen stehen.

Wir schauen uns in den leeren Leichtbauhallen um, noch halb mit Decken ausgelegt, sie wirken wie schon seit einiger Zeit verlassen.

The closed refugee camp
The empty refugee , Foto: David Kaupp

Vorbei an ein paar Mannschaftsbussen der griechischen Polizei und gestressten vermummten Menschen (Frontex?), treffen wir auf ein paar Polizist*innen, die sich überraschend freundlich und kooperativ verhalten. Den Tag über können wir unsere Rucksäcke bei ihnen abstellen. Sie geben uns Auskunft darüber, dass grade keine Leute, die sich auf der Flucht befinden, im Camp seien, und dass später am Tag 20 Busse erwartet würden. Es kämen mehrere Tausend Personen jeden Tag durch Idomeni.

Greek police forces at the camp, Foto: David Kaupp
Refugees outside the closed camp that arrived in Idomeni by bus
Refugees outside the closed camp that arrived in Idomeni by bus, Foto: David Kaupp

Am Bahnhof erfahren wir, dass zur Zeit gar keine Züge durch Idomeni fahren. Anfang Dezember sind hier zwei Menschen bei dem Versuch gestorben, auf Züge zu klettern, um über die ihnen versperrte Grenze zu kommen. Statt daraufhin die Grenze wieder für alle zu öffnen, damit Leute keine immer riskanter werdenden Wege suchen und ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, um ihre Reise fortsetzen zu können, wurde der Personennahverkehr eingestellt.

Train tracks to Macedonia
Train tracks to Macedonia, Foto: David Kaupp

 

Einige Einwohner*innen erzählen uns, dass gerade auch kein Bus mehr aus Idomeni wegfährt. Mal sehen, wie wir von hier wieder weiterkommen.

Zurück im Camp sprechen wir mit einigen Freiwilligen. Uns wird berichtet, dass die mazedonische Grenze heute schon den ganzen Tag geschlossen ist, weil das Grenzpersonal streikt.

Außerdem erfahren wir, dass die griechischen Behörden das Camp selbst seit ca. zwei Wochen für Refugees geschlossen haben. Die Behörden wollen Unruhen vermeiden und das Bild einer gut organisierten und entspannten Situation in Idomeni wahren. Deshalb werden die Menschen in den Bussen aus Athen bis an eine Tankstelle einige Kilometer vor Idomeni gefahren, und müssen dort in der Kälte ausharren. Einige, die keine irakischen, syrischen oder afghanischen Papiere haben, werden bereits hier an der Weiterreise gehindert und gezwungen, zurück nach Athen zu fahren. Sie müssen das Busticket anscheinend selbst bezahlen. Die anderen werden irgendwann in Gruppen zu je 50 Personen an den Grenzübergang gebracht.

Die Untersterstützungsarbeit in Idomeni geht trotz der Veränderungen weiter. Die Vereinigung griechischer Köch*innen hat zwei Personen abgestellt, jeden Tag für ein bis zweitausend Menschen zu kochen. Volunteers packen die Essenspackete. Das Essen wird von gesammelten Geldern finanziert. Viele Meschen spenden Lebensmittel. Eine Helfer*in aus Deutschland meint, Solidarität sei in Griechenland gängigere Praxis und würde nun auf Menschen auf der Flucht ausgeweitet.

Volunteers from a collective based in Thessaloniki have set up a storage in a container
Volunteers from a collective based in Thessaloniki have set up a storage in a container

Wir werden durch das Camp geführt, laufen von Zelt zu Zelt. Niemand hält uns auf. Alles ist leer. Ein Bus ist gerade angekommen an der Grenze. Leute spielen auf der Wiese Fußball. Sobald es dämmert, wird es eiskalt. Leute wärmen sich an Lagerfeuern, die sie auf dem Kiesboden entfacht haben.

Im Camp sehen wir viele leere Leichtbauhallen. In einigen von ihnen stehen noch Zelte. Die Menschen müssen draußen warten. Seit zwei Wochen gibt es die Regel, das die Refugees nicht in das Camp hinein dürfen. Über die Gründe dafür gibt es nur Gerüchte.

Idomeni_30.12.
The empty refugee camp, Foto: David Kaupp

Eine Freiwillige, die seit August in Idomeni aktiv ist, erzählt uns, dass das Camp seit einigen Tagen umgebaut wird. Es gibt neue, frisch in Beton gegossene Hinweisschilder, im Camp steht ein Bagger, die Zelte werden winter“fest“ gemacht.  Die Freilligen vermuten, Idomeni soll in Zukunft als Daueruntekunft dienen. All das unterstützt die These, dass in den nächsten Wochen die Grenze komplett geschlossen werden könnte, für alle. Wir wissen nicht, wie lange überhaupt noch Menschen hinüber gelassen werden.

All tents in the camp were empty because the refugees were not allowed to enter them for some reason
All tents in the camp were empty because the refugees were not allowed to enter them for some reason, Foto: David Kaupp

Wir hören von Menschen aus dem Libanon, die versucht haben, nach Mazedonien zu kommen und dort von Polizist*innen zusammengeschlagen wurden. Grenzzäune und die Illegalisierung von Flüchtenden sorgen nicht dafür, dass keine Menschen mehr fliehen, sondern dafür, dass mehr Menschen dabei sterben.

The about 2m high barbed wire fence on the Greek / Macedonian border
The about 2m high barbed wire fence on the Greek / Macedonian border, Foto: David Kaupp

 

Wir finden Freiwillige, die uns in ihrem Auto mit nach Thessaloniki nehmen. Auf dem Weg kommen wir an der Tankstelle vorbei. Dort stehen ungefähr 50 Busse, die meisten mit laufendem Motor, damit die Menschen drinnen sich wärmen können. Es ist kalt draußen. In den nächsten Tagen werden die Temperaturen deutlich unter Null Grad fallen. Entlang des Grasstreifens neben der Autobahnzufahrt flackert alle 20 Meter ein kleines Lagerfeuer. Uns wird gesagt, das Holz komme vom MSF (Ärzte ohne Grenzen). Wir hören viel Positives über die Unterstützung durch die Medicins Sans Frontiers. Gleichzeitig ist die große Präsenz dieser NGO stellenweise problematisch: Der MSF ist sonst meistens in Kriegsgebieten im Einsatz. So entsteht der fälschliche Eindruck, wir befänden uns in einem politisch-diplomatischen oder kapazitätsbedingten Ausnahmezustand, in denen die medizinische Versorgung nicht mehr (allein) staatliches Aufgabengebiet ist. Dabei haben staatliche Strukturen der europäischen Länder die Möglichkeiten und die Verantwortung, alle Menschen medizinisch zu versorgen. Durch die notdürftige medizinische Grundversorgung, die der MSF bereitstellt, fehlt ein wirksames politisches Druckmittel, um die Regierungen zum handeln zu zwingen und die humanitäre Situation entlang der ‚Balkanroute‘ zu verbessern, ohne das das Leid der Menschen auf der Flucht weitgehend gemildert wird. Wir befinden uns nicht in einem Kriegsgebiet. Wir sind in einer humanitären Krisensituation, die von den verantwortlichen Staaten, Behörden und Politiker*innen bewusst hergestellt wird, vermeidbar wäre und demnach sofort zu beheben ist.

In der Nähe des Busparkplatzes stellen wir uns zu einem Kreis aus sich wärmenden Leuten und fragen, wie lange sie hier schon warten. Eine Person schätzt die durchschnittliche Wartedauer auf 6 Stunden. Zwei Menschen holen eine Wasserpfeife aus ihrem kleinen Rucksack, entzünden sie mit der etwas Holzkohle aus dem Feuer und reichen sie herum.

In einem Anbau aus Plastikplanen an der Raststätte ist eine Handyladestation aufgebaut. Dort sprechen wir mit Hussein* (Name geändert). Er erzählt, dass er seit 7 Uhr früh hier wartet. Jetzt ist es 19 Uhr. „We heard the  border in Macedona is closed. I think it is because of money. The people who drive the busses also want to make money in Macedonia, but there is the trains going. So there is conflict, and we have to wait. It’s all about money.“ Das die Bedürfnisse flüchtender Menschen den Profitinteressen privater Unternehmen und staatlicher Strukturen untergeordnet sind, ist ein allgegenwärtiges Phänomen. Auch in Deutschland betreiben z.B. private Investor*innen Geflüchtetenunterkünfte, in denen viele Menschen ohne Privatssphäre in engen Räumen untergebracht sind. Profitinteressen einzelner werden einer bedürfnisgerechten, politisch vertretbaren und  ressourceneffizienten Lösung der humanitären Krise immer im Weg stehen. Die Unterstützung von Menschen auf der Flucht muss unkommerziell organisiert werden.

Hussein erzählt weiter von den Auswirkungen der geschlossenen Grenze in Mazedonien auf die Menschen an der Tankstelle: „And  they say: ‚hey now now we go, and everybody is running to the Busses – and then it is again ’no, sorry, not yet‘ And you know, it is so cold outside, and the driver of our bus, he said ‚my bus is not a hotel! everybody out, or if you stay in, i will lock the bus!‘ so everybody had to get out and stay in the cold. We tried to argue with him, but he didn’t listen. If you see him, tell him it’s not ok!“ Wir suchen den Busfahrer, um ihn anzupöbeln, aber Hussein meint „The bus driver? He locked the bus – and then he disappeared. We haven’t seen them the whole day.“

 

Thessaloniki

Wir verabschieden uns und wünschen viel Glück. Dann fahren wir weiter nach Thessaloniki. Dort zeigen uns einige der Volunteers aus Idomeni die Räumlichkeiten der Organisation „Oikopolis“, in der viele der Freiwilligen aktiv sind. Beim Abendessen entspinnen sich viele Diskussionen: Wie können wir den Menschen auf der Flucht helfen, ohne dabei die Staaten zu unterstützen, die für ihre lebensbedrohliche Lage verantwortlich sind?

Wir bekommen viel Tipps und Adressen anderer Projekte in Thessaloniki und Athen, die versuchen, sich mit Menschen auf der Flucht politisch und praktisch zu solidarisieren. Diese werden wir in den nächsten Tagen besuchen.

 

More pictures from Idomeni

Fluchtursachen

Wir haben Situationsberichte geliefert, ohne auf unser Verständnis vom Zustandekommen der Flucht und die daraus resultierenden politischen Verantwortlichkeiten einzugehen. Das wollen wir in diesem Beitrag nachholen. Auch hier erheben wir keinen Anspruch auf eine in allen Teilen erschöpfende Argumentation, sondern stellen unsere Wahrnehmung der wirkenden Mechanismen dar.

Reichtum ist auf der Welt zunehmend ungleich verteilt. Seit Jahrzehnten wächst der Abstand, den Deutschland und andere wirtschaftlich erfolgreiche Staaten zu wirtschaftlich weniger erfolgreichen Staaten haben. Die Staaten der Welt stehen in einem wirtschaftlichen Konkurrenzverhältnis zueinander. Diese Konkurrenz findet in einem Rahmen von Geld-, Waren- und Dienstleistungsverkehr statt, der maßgeblich von den heute reichen Nationen entwickelt und bspw. durch die Bretton-Woods-Organisationen aufrecht erhalten wird. Die Produktion von Geld, Waren und Dienstleistungen wird dabei von der Ausbeutung von Menschen durch Lohnarbeit abhängig gemacht. Während Unternehmen die Hauptakteur*innen im Geld-, Waren- und Dienstleistungsverkehr sind, sind es Staaten, die sich das Recht zumessen, darüber zu entscheiden, wer sich auf dem von ihnen beanspruchten Territorium aufhalten darf.

Aufgrund des Konkurrenzverhältnisses von Staaten untereinander, innerhalb des geltenden Rahmens der Produktion, beruht Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg auf der möglichst weitgehenden Schlechterstellung anderer Staaten. Diese Konkurrenzsituation lässt es vertretbar erscheinen, den eigenen wirtschaftlichen Vorteil auf Kosten umfassender Belastung und Zerstörung anderer Produktionsmittel zu verfolgen. Deshalb kann Deutschland zum Profit der hier ansässigen Unternehmen bis heute bspw. Waffen und Waffenteile ausführen, obwohl mit diesen Bürgerkriege geführt und Bevölkerungen unterdrückt werden.

Deutschland ist damit für die untragbaren wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse andernorts verantwortlich.

 

Ausgebeutete und durch Krieg und Zerstörung der sicheren Lebensgrundlage beraubte Menschen wie Malik und Ali suchen Orte, an denen sie unter erträglicheren wirtschaftlichen und politischen Bedingungen leben können. Staaten, besonders in Europa, setzen diesen Menschen gegenüber ihr vermeintliches Recht, darüber zu entscheiden, wer sich auf dem von ihnen beanspruchten Territorium aufhält, gewaltsam durch.

Um also nicht in das Elend, das sie verlassen haben, zurückkehren zu müssen, gehen die Flüchtenden hohe Risiken ein, in der Hoffnung der gewaltsamen Ausschließung zu entgehen.

 

Um den eigenen, durch Ausnutzung der günstigen Konkurrenzsituation entstandenen Reichtum vor der Teilhabe bisher unbeteiligter Personengruppen (sog. „Migrant*innen“ oder „Ausländer*innen“) zu schützen, werden immer weitergehende Maßnahmen des Ausschlusses solcher Personengruppen getroffen und mit teilweise gewaltsamen Mitteln umgesetzt. Dazu gehört es, zur Abschreckung von Flüchtenden die Reise in die betreffenden Staaten so beschwerlich wie möglich zu machen und die Menschen nach ihrer Ankunft Beschränkungen zu unterwerfen, die gegenüber den bisher beteiligten Personengruppen (sog. „Inländer*innen“, bspw. „Deutschen“) als inhuman und illegal gelten würden.

 

Wir glauben, dass die Flucht so vieler Menschen bedingt ist durch die Maßnahmen reicher Staaten wie Deutschland, ihren wirtschaftlichen Erfolg gegenüber anderen Staaten zu sichern. Um die Teilhabe bisher unbeteiligter Personengruppen an dem unter diesen Bedingungen generierten Reichtum zu verhindern, werden Ausschlussmaßnahmen getroffen. Diese Ausschlussmaßnahmen sind dazu gedacht, dass die Reise von flüchtenden Menschen immer strapaziöser und gefährlicher werden soll. Deutschland und andere europäische Staaten sind damit nicht nur in der Verantwortung, allen Menschen ein bedingungsloses Bleiberecht zuzugestehen, um einen Ausgleich der selbst verursachten Ungerechtigkeit zu ermöglichen. Die suggerierte „Krise“, die angeblich durch die Flucht vieler Menschen hervorgerufen werden soll, ist tatsächlich vielmehr vorsätzlich hergestellt oder zumindest billigend in Kauf genommen, um den eigenen Reichtum effektiver schützen zu können.

No Nation, No Border!

Workshops und Vorträge

Kommende Veranstaltung

derzeit sind keine Workshops geplant. Ihr könnt uns aber anfragen, schreibt dazu einfach eine Email.

 

Vergangene Veranstaltungen

  • Workshops auf dem Ract! festival Tübingen:Solidarität statt Charity? Volunteering und solidarische Unterstützungsarbeit für Geflüchtete und Migrant_innen

Seit Herbst 2015 reisten tausende Ehrenamtliche nach Lesbos, Idomeni, usw. um Menschen auf der Flucht zu unterstützen. Es gründeten sich viele neue Initiativen. Von NGOs über unabhängige NoBorderKitchens bis hin zu anarchistischen Supportgruppen.

independent volunteer outside of Presevo refugee camp, Foto: David Kaupp, Foto: David Kaupp
independent volunteer outside of Presevo refugee camp, Foto: David Kaupp, Foto: David Kaupp

 

Unterwegs, entlang der sogenannten Balkanroute, aber auch in lokalen Initiativen, fragten sich bald viele, ob es überhaupt möglich sei, ehrenamtlich zu unterstützen, ohne vom Grenzregime instrumentalisiert zu werden. Wie können wir Menschen unterstützen, ohne systemstabilisierend zu wirken?

Eine weitere Problematik ist das Bild, das bald überall in den Medien und in den Social-Media Kanälen zu finden war: Überall wurde das Bild der weißen Helfer_innen und bedürftiger BPoC (Black People of Color) gezeigt und somit rassistische Denkmuster reproduziert. Wenn Unterstützungsarbeit einem antirassistischen Ansatz gerecht werden will, muss dieses oft als ‘white helper complex’ bezeichnete Muster reflektiert werden.

Wir wollen einige Beispiele an alternativen, unabhängigen Unterstützungskonzepten vorstellen:
von Soli-Küchen, über empowernde Unterstützung bei der Selbstorganisation bis hin zu Besetzungen. Im Anschluss wollen wir mit Euch über weitere Ideen diskutieren und überlegen, wie Solidaritätsprojekte hier eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe erreichen können.

Wir sind eine lose Gruppe von weißen, an vielen Stellen privilegierten Menschen die seit November 2015 mehrfach entlang der sog. Balkanroute und in der Türkei unterwegs waren. Wir haben eine Soli-Küche in Serbien aufgebaut, an anderen Stellen versucht Menschen auf der Flucht zu supporten und verschiedene Solidaritätsprojekte besucht. Auf unserem Blog Refugee Support (DE/EN) schreiben wir auf Deutsch und Englisch über Migration, Flucht, Abschottungspolitik und Möglichkeiten zur solidarischen Unterstützungsarbeit.

[An English translation will be available]

Freitag, 03.06.2016 16:00 Zelt 1

  •  Flucht in den Krieg – Situation für Menschen auf der Flucht und Migrant_innen in der Türkei 
    Sur
    Sur, Diyarbakir

    Seit Jahren fliehen Menschen aus Syrien, Irak und Afghanistan, aber auch aus vielen anderen Regionen der Welt in die Türkei. In vielen Städten gibt es riesige Geflüchtetencamps, doch ein Aslverfahren existiert nicht einmal im Ansatz. Immer wieder müssen Menschen auch innerhalb des Landes fliehen, wie letzten Herbst als hunderttausende vor dem Krieg in der Süd-Ost-Türkei aus den Städten unter militärischer Ausgangssperre flohen. Dabei gibt es kaum Unterstützung für die Menschen die innerhalb des Landes fliehen, die meist erst gar nicht als Geflüchtete anerkannt werden. Auch viele der Menschen die vor dem Krieg in Syrien flohen, müssen nun wieder mitten in einem Kriegsgebiet leben oder ein weiteres Mal fliehen.

    Der Workshop soll einen kurzen Überblick über die Situation für Menschen auf der Flucht und Migrant_innen in der Türkei geben. Der Workshop ist als eine Sammlung von Erfahrungsberichten und Erzählungen aufgebaut und nicht als wissenschaftliche Analyse. Dabei wird ein besonderer Fokus auf die größeren Städte wie Izmir und Istanbul, sowie auf die kurdischen Gebiete in der Süd-Ost-Türkei gelegt. Im Anschluss gibt es dann noch Raum für eine Diskussion.

    [English translation available]

Samstag, 04.06.2016 17:00 Zelt 1

 

  • 11.03.16 KuZe Potsdam: Infotresen zu Politischer Gefangenschaft
No Prisons
Foto: David Kaupp
Vielerorts bestrafen Regierungen politischen Aktivismus mit Gefängnis. Es werden zwei Fälle vorgestellt: Ein Referent berichtet von der staatlichen Verfolgung von Widerstandskämpfer*innen in Syrien und zur lebensbedrohlichen Realität in den dortigen Zivil- und Militärgefängnissen. Aber Freiheitsstrafen als Sanktion für oder Prävention von politischen Widerstand passieren nicht nur „weit weg“: Ein Aktivist aus Marokko, der zur Zeit immer noch in Abschiebehaft in Griechenland sitzt, hat uns Informationen über die dortigen „Detonation Centers“ zur Verfügung gestellt, die wir mit euch teilen wollen.

Was können wir tun, um Politaktivist*innen im Knast zu unterstützen? Wie kann politische und praktische Solidarität aussehen? Der Eintritt ist wie immer frei. Bringt Solikohle mit, wenn ihr könnt!

Diese Veranstaltung wird zum Teil in englischer Sprache stattfinden.

Flüsterübersetzungen ins Deutsche sind möglich.

 Eintritt frei! Weitere Infos hier.

 

Update (Februar 2016):

 

Wir sind seit Dezember 2015 wieder auf der Balkan-Route unterwegs gewesen, von Idomeni bis zur syrisch-türkischen Grenze. Wir haben Grenzübergänge besucht, Lager und Haftanstalten und uns Mühe gegeben, die solidarischen Strukturen und selbstorganisierte Initiativen in von und für Refugees in Thessaloniki, Athen, Lesbos, Izmir, Urfa, Diyarbakir und vielen anderen Orten kennen zu lernen. Wir haben einige Berichte und Aktualisierungen auf diesem Blog veröffentlicht, vornehmlich waren wir jedoch auf Twitter aktiv (@refugee_supp).

Am Ende des Monats werden wir zurückkehren und versuchen, all die angefangenen Berichte zu vollenden und sie zusammen mit Bildern aus den besuchten Orten zu veröffentlichen.

Gerne führen wir auch wieder Workshops oder Präsentationen durch, beispielsweise zu den Haftanstalten in Griechenland, solidarischen Projekten in Griechenland, Menschenrechtsverletzungen an der türkischen Grenze und weiteren Dingen. Kontaktiert uns gerne, wenn Ihr Interesse habt!

– – – – –

Nach unserer Fahrt im November wurden wir von diversen Gruppen angefragt, ob wir nicht einen Workshop machen wollen und die Erfahrungen, die wir gemacht haben, teilen. Seitdem haben wir nun diverse Workshops in Potsdam und anderen Städten  gehalten.

Unser Fokus liegt dabei aber nicht auf der Balkan Route an sich, da wir niemals in der Lage sein werden wirklich zu beschreiben, wie es ist, diese Route zu nehmen auf dem Weg weg von zu Hause Richtung ‚Europa‘, geschweige denn der Meinung sind, dass wir uns anmaßen wollen für Menschen auf der Flucht zu sprechen.

Daher bitten wir Euch, Menschen zu fragen, die selbst diese Route genommen haben und aus erster Hand berichten können. Dazu versuchen wir auch gerne Euch einen Kontakt zu vermitteln.

 

Trotzdem berichten wir aber auch über die humanitäre Situation vor Ort (mit Fokus auf Preševo und Miratovac in Serbien und Dobova in Slowenien) und die verschiedenen Freiwilligen- bzw. Selsbtorganisierungsstrukturen dort, sowie die politische Dimension der Thematik.

Wir haben dazu Vorträge / Workshops mit Bildern in Englisch und Deutsch vorbereitet – welche Form ein Workshop dann aber haben soll, passen wir je nach Anforderungen gerne an.

Um uns für einen Workshop anzufragen, schreibt uns einfach eine Email an ref.support@riseup.net – wir kommen gerne vorbei.

  • Fr., 18.12.15 Frankfurt Oder, Kontaktladen. Workshop
  • Mi., 16.12.15, 20.00 Uhr: Vortrag und Diskussion zur Reise im AZ Conni (Rudolf-Leonhard-Straße 39, Dresden)
  •  10.12.15 TEACH IN in Potsdam am 17.12.15

Am Donnerstag, den 17.12.15 organisieren wir ein Teach In um 12:00 Uhr im Foyer der Mensa am Campus Griebnitzsee. Kommt rum!

Teach In Potsdam 17.12.15

  • 06.12.15 Seminar der Stiftung SHL: Input

Input SHL

  • 24.11.15 JG Stadtmitte Jena: Workshop

JG_Stadtmitte_Jena

  • 21.11.15 freiLand Potsdam: Workshop beim Refugees and Supporters Kongress

http://oplatz.net/2015/11/12/brandenburgberlin-refugees-and-supporters-meeting/

 

  • 18.11.15 Teach In Potsdam Griebnitzsee

 

Aktuelles

**Aktuelle Infos, News, Terminankündigungen, etc. **

HINWEIS: Wir veröffentlichen derzeit Updates hauptsächlich auf Twitter. Der Blog ist bis auf weiteres an erster Stelle Archiv unserer bisher veröffentlichten Texte. Schaut also am besten hier bei unserem Twitter Account vorbei (auch ohne eigenen Account einsehbar).

  • Free the Röszke11!

Nachdem im September 2015 die ungarische Regierung entschied die Südgrenze zu schließen und mit Stacheldrahtzaun und militärischen Mitteln zu befestigen, brach spontaner Protest von Menschen auf der Flucht aus. Einer der Orte an dem es zu solchen Protesten kam, war der kleine ungarische Grenzort Röszke. Die Polizei eskalierte die Situation, prügelte auf die Menschen samt Kindern ein und schoss Tränengas auf die Menge.  Anstatt dass nun dieser eskalierte gewaltvolle Polizeieinsatz kritisch aufgearbeitet wird, findet ein zutiefst politischer Schauprozess gegen 11 damals bei den Protesten wahllos festgenommene Menschen statt, die Röszk11. Die Vorwürfe reichen von Körperverletzung über Aufruf zum Aufstand bis hin zu Terrorismus.

Die Prozessführung war meilenweit von einem fairen Prozess entfernt. Es wurden ausschließlich Polizist_innen als Zeug_innen gehört, die von der Verteidigung berufenen Zeug_innen wurden nicht gehört. Einer der Angeklagten Ahmed A. wurde von Polizist_innen in Sturmhauben an einer Art Leine in den Gerichtssaal geführt, die Staatsanwaltschaft fordert 20 Jahre bis lebenslang wegen ‚Terrorismus‘ für ihn*. Beweise gibt es praktisch keine. Es gibt nur eine Videoaufnahme wie der Angeklagte wohl in ein Megaphon spricht.

Die Umstände des Prozesses brauchen dringend mehr kritische Öffentlichkeit, die Angeklagten solidariche Unterstützung. Freiheit für die Röszke11!

Mehr Infos gibt es hier in einem Artikel des Antifaschistischen Info Blatts. Und auf dem Röszke11 Blog.

 

  • Soli für den Wiederaufbau von Cizre und Sur am 25.06.16 im Epplehaus Tübingen

Kurzer Input und im Anschluss Konzert mit Geigerzähler

Plakat Soli20

  • Workshops auf dem Ract! festival Tübingen:Solidarität statt Charity? Volunteering und solidarische Unterstützungsarbeit für Geflüchtete und Migrant_innenSeit Herbst 2015 reisten tausende Ehrenamtliche nach Lesbos, Idomeni, usw. um Menschen auf der Flucht zu unterstützen. Es gründeten sich viele neue Initiativen. Von NGOs über unabhängige NoBorderKitchens bis hin zu anarchistischen Supportgruppen.
    independent volunteer outside of Presevo refugee camp, Foto: David Kaupp, Foto: David Kaupp
    independent volunteer outside of Presevo refugee camp, Foto: David Kaupp, Foto: David Kaupp

    Unterwegs, entlang der sogenannten Balkanroute, aber auch in lokalen Initiativen, fragten sich bald viele, ob es überhaupt möglich sei, ehrenamtlich zu unterstützen, ohne vom Grenzregime instrumentalisiert zu werden. Wie können wir Menschen unterstützen, ohne systemstabilisierend zu wirken?

    Eine weitere Problematik ist das Bild, das bald überall in den Medien und in den Social-Media Kanälen zu finden war: Überall wurde das Bild der weißen Helfer_innen und bedürftiger BPoC (Black People of Color) gezeigt und somit rassistische Denkmuster reproduziert. Wenn Unterstützungsarbeit einem antirassistischen Ansatz gerecht werden will, muss dieses oft als ‘white helper complex’ bezeichnete Muster reflektiert werden.

    Wir wollen einige Beispiele an alternativen, unabhängigen Unterstützungskonzepten vorstellen:
    von Soli-Küchen, über empowernde Unterstützung bei der Selbstorganisation bis hin zu Besetzungen. Im Anschluss wollen wir mit Euch über weitere Ideen diskutieren und überlegen, wie Solidaritätsprojekte hier eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe erreichen können.

    Wir sind eine lose Gruppe von weißen, an vielen Stellen privilegierten Menschen die seit November 2015 mehrfach entlang der sog. Balkanroute und in der Türkei unterwegs waren. Wir haben eine Soli-Küche in Serbien aufgebaut, an anderen Stellen versucht Menschen auf der Flucht zu supporten und verschiedene Solidaritätsprojekte besucht. Auf unserem Blog Refugee Support (DE/EN) schreiben wir auf Deutsch und Englisch über Migration, Flucht, Abschottungspolitik und Möglichkeiten zur solidarischen Unterstützungsarbeit.

    [An English translation will be available]

    Freitag, 03.06.2016 16:00 Zelt 1

    Flucht in den Krieg – Situation für Menschen auf der Flucht und Migrant_innen in der Türkei

    Sur
    Sur, Diyarbakir

    Seit Jahren fliehen Menschen aus Syrien, Irak und Afghanistan, aber auch aus vielen anderen Regionen der Welt in die Türkei. In vielen Städten gibt es riesige Geflüchtetencamps, doch ein Aslverfahren existiert nicht einmal im Ansatz. Immer wieder müssen Menschen auch innerhalb des Landes fliehen, wie letzten Herbst als hunderttausende vor dem Krieg in der Süd-Ost-Türkei aus den Städten unter militärischer Ausgangssperre flohen. Dabei gibt es kaum Unterstützung für die Menschen die innerhalb des Landes fliehen, die meist erst gar nicht als Geflüchtete anerkannt werden. Auch viele der Menschen die vor dem Krieg in Syrien flohen, müssen nun wieder mitten in einem Kriegsgebiet leben oder ein weiteres Mal fliehen.

    Der Workshop soll einen kurzen Überblick über die Situation für Menschen auf der Flucht und Migrant_innen in der Türkei geben. Der Workshop ist als eine Sammlung von Erfahrungsberichten und Erzählungen aufgebaut und nicht als wissenschaftliche Analyse. Dabei wird ein besonderer Fokus auf die größeren Städte wie Izmir und Istanbul, sowie auf die kurdischen Gebiete in der Süd-Ost-Türkei gelegt. Im Anschluss gibt es dann noch Raum für eine Diskussion.

    [English translation available]

Samstag, 04.06.2016 17:00 Zelt 1

 

  • 14.04.16 IS greift Geflüchteten Camps in Syrien an. Erdogans „Safe Zone“ ein schlechter Witz

Twitter thread: (drauf klicken, runter scrollen)

  • 11.03.16 KuZe Potsdam: Infotresen zu Politischer Gefangenschaft
No Prisons
Foto: David Kaupp
Vielerorts bestrafen Regierungen politischen Aktivismus mit Gefängnis. Es werden zwei Fälle vorgestellt: Ein Referent berichtet von der staatlichen Verfolgung von Widerstandskämpfer*innen in Syrien und zur lebensbedrohlichen Realität in den dortigen Zivil- und Militärgefängnissen. Aber Freiheitsstrafen als Sanktion für oder Prävention von politischen Widerstand passieren nicht nur „weit weg“: Ein Aktivist aus Marokko, der zur Zeit immer noch in Abschiebehaft in Griechenland sitzt, hat uns Informationen über die dortigen „Detonation Centers“ zur Verfügung gestellt, die wir mit euch teilen wollen.

Was können wir tun, um Politaktivist*innen im Knast zu unterstützen? Wie kann politische und praktische Solidarität aussehen? Der Eintritt ist wie immer frei. Bringt Solikohle mit, wenn ihr könnt!

Diese Veranstaltung wird zum Teil in englischer Sprache stattfinden.

Flüsterübersetzungen ins Deutsche sind möglich.

 Eintritt frei! Weitere Infos hier.

Aktueller Amnesty Bericht zu Kilis.

Border crossing Turkye / Syria close to Kilis. About 58,000 refugees are now waiting at the border to enter Turkey, but only severly injured refugees are allowed to cross.
Border crossing Turkye / Syria close to Kilis. About 58,000 refugees are now waiting at the border to enter Turkey, but only severly injured refugees are allowed to cross. – Foto: David Kaupp

 

Die humanitäre Lage in Sur und den anderen Städten und Bezirken unter Ausgangssperre spitzt sich weiter zu, doch die Polizei und Militär verweigern humanitärer Hilfe immer wieder den Zugang zu den umkämpften Gebieten. Auch medizinische Hilfe wird immer wieder blockiert.

  • 29.01.16 Situation für Geflüchtete in der Türkei: Izmir
  • 11.01.16 Neue Hausbesetzung in Solidarität mit Menschen auf der Flucht – Athen

Letzte Nacht wurde anscheinend im Stadtteil Exarchia in Athen ein weiteres Haus von Aktivist_innen für Menschen auf der Flucht besetzt. Eine ähnliche Besetzung gab es bereits vor einigen Monaten. Damals wurde die Notara26 besetzt, die derzeit als Unterkunft für Familien und Kranke auf der Flucht dient.

Mehr Infos hier (Englisch).

  • 07.01.16 Besetze kollektivbetriebene Seifenfabrik Vio.Me in Thessaloniki

Bilder aus der Fabrik die seit 2011 in Händen der Arbeiter_innen ist. In der Fabrik wird nun Seife aus natürlichen Bestandteilen hergestellt die von solidarischen Gruppen verkauft wird. In einer der Hallen der Fabrik wurde zudem ein Spendenlager eingerichtet um Sachspenden für Menschen auf der Flucht zu lagern.

 

  • 04.01.16 Helliniko Refugee Camp in Athen

Bilder aus dem isolierten Camp in Athen.

 

  • 30.12.15 Bilder aus Idomeni:
Refugee child in front of the border crossing
Refugee child in front of the border crossing Foto: David Kaupp

Bilder vom Grenzübergang und dem geschlossenen Refugee camp in Idomeni auf demotix und flickr.

 

  • 30.12.15 Start des Liveticker Griechenland!
highway exit Idomeni
highway exit Idomeni Foto: David Kaupp

Ab jetzt findet ihr auf unserem Blog regelmäßige Updates aus Griechenland.

Zuerst werden wir in Idomeni sein und dann weiter nach Thessaloniki reisen.

Erste Eindrücke aus Idomeni findet ihr hier.

 

  • Ankündigung: Ende des Monats werden wir wieder losfahren und diesmal aus Mazedonien / Griechenland berichten

Ende Dezember / Anfang Januar werden wir in Mazedonien und vor allem Griechenland unterwegs sein. Wir wollen die dortige Situation an den Grenzen dokumentieren, sowie über die politischen Proteste der Menschen auf der Flucht und lokaler Initativen berichten.

Derzeit planen wir wieder einen Liveticker auf twitter (@refugee_supp) und auf dem Blog einzurichten und im Anschluss ausführliche Berichte zu verfassen.

Weitere Infos folgen bald….

 

  • 21.12.15 ‚Alltag der Verfolgung: Unerträgliche Zustände subsaharischer MigrantInnen im Norden Marokkos‘

Bericht der Gruppen NoBorderMorocco & Western Med Alarm Phone (Englisch)

 

  • 10.12.15 *Terminankündigung* TEACH IN in Potsdam am 17.12.15

Am Donnerstag, den 17.12.15 organisieren wir ein Teach In um 12:00 Uhr im Foyer der Mensa am Campus Griebnitzsee. Kommt rum!

Teach In Potsdam 17.12.15

  • 06.12.15 Die No Borders Kitchen braucht Unterstützung!

Zur Crowd Funding Kampagne geht’s hier  (Englisch)

 

  • 04.12.2015: Situation in Idomeni spitzt sich zu

Die Proteste der Menschen an der mazedonisch-griechischen Grenze verschärfen sich. Ein Mensch ist an einem Stromschlag gestorben. Viele rufen verzweifelt: „Merkel help us.“ Jene hat selbst im Oktober verkündet, dass Zäune nicht helfen werden, wird aber sicher nichts gegen die, von ihr mit inszenierte, Abschottung Europas unternehmen.

No Nation – No Border – Anarchy is Order

Beitrag von Pro Asyl

Aktuelle Infos, Bilder und Videos aus Eidomeni an der mazedonisch-griechischen Grenze (Englisch)

 

Einige Eindrücke aus Rigonce an der slowenisch-kroatischen Grenze, an der Anfang November ein NATO-Draht Zaun gebaut wurde und aus dem hermetisch abgeschotteten Refugee Camp in Dobova

 

  • 29.11.15 taz.de: Mazedonien baut einen Zaun an der Grenze zu Griechenland

zum Artikel

 

Die Situation vor Ort hat uns alle nach der Fahrt nicht losgelassen und wir haben beschlossen weitere Projekte durchzuführen, um uns mit Menschen auf der Flucht zu solidarisieren.

Für eine Refinanzierung unserer privaten Ausgaben sammeln wir Spenden für die vergangene Aktion.

Gleichzeitig wollen wir ein neues Projekt ins Leben rufen:

Ein erster Ansatz soll eine mobile Küche in einem Transporter sein, mit der Menschen vor Ort eine große Zahl an Gerichten und heißen Getränken zubereiten können. Oft erschweren Behörden den Aufbau einer Zeltküche und machen es somit unmöglich, Menschen warmes Essen anzubieten. Eine mobile Küche würde uns und anderen Gruppen die Möglichkeit geben, für Leute auf der Flucht zu kochen, die meistens seit Wochen kein warmes Essen mehr gesehen haben.

Natürlich können wir nicht immer unterwegs sein, deshalb wollen wir diesen Transporter an andere Gruppen, die ähnliches vorhaben, verleihen, damit er möglichst oft vor Ort sein kann. Diese Art von Auto erfordert hohe Investitionen unsererseits und eine Menge Arbeitsaufwand. Wir würden uns freuen, wenn einige Interessierte uns bei diesem Projekt unterstützen würden.

Helft uns auf dem Weg zur Safe passage to Europe!

Mehr Infos dazu findet ihr hier.

 

  • 22.11.15 openDemocracy: „Why is the UNHCR supporting nationality based border restrictions?“

Ein lesenswerter Artikel (englisch) über die Rolle des UNHCRs, des UN Geflüchtetenhilfswerk, bei der Durchsetzung nationaler Grenzpolitik.

 

  • 19.11.15 Berlin: „About 3.500 students strike to show solidarity with refugees“

Fotografische Dokumentation der refugee strike Demo in Berlin

 

Einige fotografische Eindrücke aus Miratovac von David Kaupp. Dort müssen die Menschen auf der Flucht kilometerlang eine staubige Straße entlang laufen um die serbisch-mazedonische Grenze zu überqueren.